Hauptseite
Rezensionen
Autoren
Themen
Reportagen
Meldungen
Links
Kontakt
Newsletter
Cees Nooteboom
Kinderspiele

Suhrkamp
1998
44 Seiten
DM 19,80


Von Volker Frick am 06.07.2001

  Die folgende Geschichte war jenes Buch des Dichters, Reiseschriftstellers, Polyhistors, Kunstkenners und Romanciers Cees Nooteboom, welches, und in Folge auch die weiteren vom Suhrkamp Verlag sukzessive veröffentlichten Bücher, wie der hochgelobte Roman Rituale, im deutschsprachigen Literaturraum diesem Augenmenschen zu verdienter Beachtung verhalf. Schon 1958 erschien hierzulande der erste Roman des 1933 in Den Haag geborenen Autors Das Paradies ist nebenan.
  Leicht und doch fragil kommt die Erzählung Kinderspiele daher, in jener gewohnt zurückgenommen präzisen Beschreibung des Wesentlichen, die diesem Schriftsteller zu eigen ist. Der Titel dieser Erzählung, die Cees Nooteboom vor ziemlich genau vierzig Jahren schrieb, gibt nach der Lektüre zumindest einen gänzlich neuen Sinn, denn wir wissen alle, Kinder können grausam sein. Schließlich waren wir Kinder und haben im Spiel wiederholt, was wir gesehen, und schließlich haben wir heute vielleicht selber Kinder, die spielend wiederholen, was sie sehen. Erzählt wird von wenigen Kindern, und den Strukturen der Macht, und die Macht ist Gewalt. Ein archaisches, gleich einem Fiebertraum entsprungenes Ambiente von Wald, Sumpf, alten Häusern, dunklen Räumen, die Schattenseiten und das Alleinsein als kindlicher Beobachter in jener übermächtigen und bösen Welt. Wie Freunde finden in diesem kalten Verlies? Zumal die Erwachsenen, zumindest soweit sie in dieser Erzählung erscheinen, ziemlich - entschuldigen Sie - einen an der Waffel haben.
  Cees Nooteboom ist ein vielschichtiger Schriftsteller, der wider der Vergänglichkeit dem Kaleidoskop menschlicher Existenz Dauer verleiht, angetrieben zur Versöhnung der Bilder der unmittelbaren Gegensätze, Chaos/Ordnung, Zufall/Bestimmung, Fiktion/Realität, Schein/Sein, Leben/Tod. Seine Bücher sind Originale aus der Tiefe der Imagination, die uns lehren: lesen heißt sehen lernen.

Das Copyright © liegt beim jeweiligen Autor der Kritik. Ohne seine ausdrückliche Zustimmung darf seine Rezension nicht verwendet werden.

Wenn Sie zu diesem Buch auch eine Kritik schreiben wollen, senden Sie diese bitte per eMail. Diese Mail geht an den Betreiber dieser Seite!
Mails an den Autor der Kritik sind nur möglich, wenn dessen Name ein Link ist. Mit dem Link gelangen Sie zum Portrait des Rezensenten, wo meist auch seine eMail-Adresse zu finden ist. Andernfalls ist keine Kontaktaufnahme erwünscht oder möglich.