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Marcus Hammerschmitt
Wind / Der zweite Versuch
Zwei Romane

Suhrkamp
1997
228 Seiten
DM 17,80


Von Alfred Ohswald am 12.06.2001

 Wind
 
  Deutschland ist von Windenergie abhängig, die zum größten Teil von riesigen, im Meer stationierten, künstlichen Inseln mit Windrädern gewonnen wird. Eddie ist als einzige Wartungsperson auf einer solchen Insel stationiert.
  Eines Tages bekommt er unerwarteten Besuch. Der Mann stellt sich als Techniker des Energiekonzerns vor, der auch Eddies Plattform betreibt. Er übergibt ihm einen Datenträger auf dem eine Erfindung gespeichert ist und verschwindet in einer Kabine. Eddie schaut sich die Daten an und sieht dabei die Pläne für ein Gezeitenkraftwerk. Eine solche neue Energiequelle würde für beträchtliche Erschütterungen bei den Energiekonzernen sorgen und darum werden sie alles daran setzen, sie in die Hände zu bekommen und in der Versenkung verschwinden zu lassen. Als Eddie den Besucher in seiner Kabine aufsucht, findet er nur mehr seine Leiche vor. Er hat sich umgebracht.
  Eddie verschwindet von der Plattform und sucht eine Bekannte aus früherer Zeit auf. Kaum hat er sie gefunden, geraten sie schon in die Hände ihrer Verfolger. Knapp gelingt es ihnen, zu entkommen und von nun ab sind sie auf der Flucht.
 
  Die erste Geschichte in dem Buch erzählt von einer Flucht durch ein zukünftiges, wenig einladendes Deutschland. Dieses in der Fantasy und Science Fiction oft benutzte Vehikel einer Reise gibt dem Autor die Möglichkeit, den Leser Stück für Stück mit der fremden Welt und ihren meist seltsamen Bewohnern bekannt zu machen. Diese Art der Science Fiction braucht keine Außerirdischen. In der Tradition von H. G. Wells‘ „Die Zeitmaschine“ dient die Betrachtung einer zukünftigen Welt als Möglichkeit zu drastischer und pointierter Gesellschaftskritik.
  Hammerschmitt erzählt aus der Sicht der Hauptfigur und passt auch den Stil an dessen Persönlichkeit an. Dabei vermeidet er den oft anzutreffenden Fehler, damit zu übertreiben. Das Lektorat kam aber anscheinend nicht immer damit zurecht und hielt offensichtlich verhunzte Sätze entweder für beabsichtigt oder übersah sie.
 
 Der zweite Versuch
 
  Ein zweites Apolloprogramm soll die seit einem Bürgerkrieg Anfang des 21. Jahrhunderts zersplitterte USA wieder vereinigen. Als Höhepunkt steht jetzt die Mondlandung bevor. Verschiedenste Interessengruppen versuchen dabei einen Vorteil für sich herauszuholen oder die Sache zu verhindern.
 
  Die zweite Geschichte spielt nicht nur in einer düsteren Zukunft, sie hat auch eine etwas andere Vergangenheit als unsere. Damit vereint Hammerschmitt das in der Science Fiction beliebte Subgenre der alternativen Geschichte mit einer Zukunftsvision. Die hier beschriebene Zukunft ist allerdings mindestens genau so düster, wie in „Wind“.
  Stilistisch ist sie aber völlig anders. Hammerschmitt beschreibt diese Zukunft mit kurzen, meist rund zwei Seiten langen Abschnitten. In jedem dieser Abschnitte wird ein kurzer Abschnitt aus dem Leben einer immer anderen Figur aus dessen Sicht beschrieben. Die ganze Geschichte setzt sich so aus einer Art sehr kurzer Kurzgeschichten Schlaglichtartig zusammen. Die Welt wird nicht durch die Augen einer oder weniger Hauptfiguren beschrieben, sondern durch häufig wechselnde, meist völlig unterschiedliche Perspektiven. Trotzdem entsteht bald eine noch konkreteres und lebendigeres Bild dieser Welt als in „Wind“ vor den Augen des Lesers. „Der zweite Versuch“ ist sowohl gelungener als auch origineller als „Wind“ und gehört zusammen mit Michael K. Iwoleits „Wege ins Licht“ zu den eindrucksvollen Beweisen, dass deutsche Science Fiction-Autoren sich im internationalen Vergleich durchaus sehen lassen können.

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