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John Irving
Die imaginäre Freundin
Vom Ringen und Schreiben
(The Imaginary Girlfriend, 1996)

Diogenes
1996
Übersetzt von Irene Rumler
165 Seiten
DM 19,90


Von Alfred Ohswald am 01.06.2001

  Irving beschreit in diesem biographischen Text seinen Werdegang zum Schriftsteller in relativ knapper Form. Am ausführlichsten beschäftigt er sich dabei mit seiner Passion für das Ringen. Seine Erlebnisse in diesem Sport, ob als Aktiver, Kampfrichter oder Trainer beschreibt er weit detaillierter als die meisten anderen Ereignisse in seinem Leben.
  Der zweite Schwerpunkt liegt, wie der Untertitel schon andeutet, bei seinem Weg zum Autor. Von seinen Lehrern und Mentoren, von denen der Science Fiction-Autor Kurt Vonnegut der wichtigste war, bis zu seinen Vorbildern, von Dickens bis Grass, nennt er die für ihn wichtigsten literarischen Einflüsse. Neben dem Üblichen äußert er sich auch über die Notwendigkeit für die meisten Autoren, nebenher zu arbeiten. Hier gibt es einen deutlichen Seitenhieb, auf arrivierte Kollegen, die jungen Autoren empfehlen, lieber zu hungern, als sich durch einen uninteressanten Job von der eigenen Kreativität ablenken zu lassen. Aber insgesamt räumt er dem Schreiben weniger Raum ein als dem Ringen und behandelt es nicht annähernd so detailliert. So erfährt man, außer beim Ringen und Wien, nichts über einige seiner typischen Versatzstücken, die in fast jedem Roman eine mehr oder weniger große Rolle spielen. Nichts über Bären oder Torso-Kleiderpuppen.
  Sein Erzähltalent macht das Buch trotz des, außer des Ringens, eher mageren Inhalts noch durchaus unterhaltsam. Aber von Irving würde man sich mehr erwarten. Neben dem Ringen bleibt er mit wenigen Ausnahmen, wie über den Antisemitismus in Wien, ziemlich oberflächlich. Die sonst von seinen Büchern gewohnten Emotionen, vor allem der in absurden Figuren und Ereignissen wurzelnde Humor, blitzen hier seltener durch.

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