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Frédéric Beigbeder
Neununddreißigneunzig

Rowohlt
2001
288 Seiten
DM 39,90


Von Volker Frick am 18.05.2001

  Das Buch hat als Titel seinen Preis. Das ist mehr als nur ein Gag. Produktmarketing. No logo? Der Joghurt schreit nach Vergeltung.
  http://beigbeder.fr.fm ist die Adresse des Autors, dessen Freund der Rockstar Michel Houellebecq ist - und der schreibt ja auch Bücher. Frédéric Beigbeder hat seinen vierten Roman geschrieben, und es ist der erste, der nun auf deutsch erschienen ist. Er hat gleich in mehreren Zeitschriften als Kolumnist dieses sein Buch sehr lobend besprochen. Es geht natürlich neben dem Joghurt auch um Kokain, und diese Rebellenattitüde hat ein wenig Aufsehen in der literarischen Landschaft unseres Nachbarlandes hervorgerufen. „La guerre du goût“ hiess ein Buch von Philippe Sollers, aber warum streiten? Geht es denn um Geschmack? Oder um den Nachgeschmack? Literatur wird hier zur 5-Minuten-Terrine im warholschen Zeittakt, total Banane. Erinnert nicht zufällig an einen Danone-Clip: „Euch kriegen wir auch noch.“ Oder so. Nichts ist unmöglich.
  Ja ist es denn ein Wunder? „Ich bin nun mal keiner aus den Bergen von Chiapas. Ich habe es mir bequem gemacht in einem System, das ich hasse. Ich verdiene damit Geld.“ sagte er in einem Interview mit der SZ. Ich bin doch nicht blöd. Subcommandante Marcos schreibt anders. Let’s make things better. Jeder Satz den Frédéric Beigbeder ausspricht könnte auch Slogan sein, der Anfang eines wunderbaren Spots über ein Klischee. Sexuelle Frustration führt zu sexuellen Aberrationen. Blut, Sperma und Scheisse. Die tun was. Klar wird der Autor aufgrund dieses Buches gefeuert. Just do it. Wohl zu recht. Denn in dem Buch findet sich unter anderem die Gleichsetzung einer Magerjoghurt-Kampagne mit der Endlösung der Judenfrage. Virginia Woolf schrieb 1942 an eine amerikanische Frauenorganisation „Die Frauen sind wie Juden unter Nazis“, Yoko Ono sang „Woman is the nigger“, und Sartre schrieb „Frauen sind jüdische Neger“. Frédéric Beigbeder kommt aus der Werbung, und der Protagonist des Buches Octave sagt ziemlich am Anfang dieses Buchs: „Ich bin der Typ, der Ihnen Scheisse verkauft.“ Übrig bleibt nicht viel mehr als Provokation. Lassen wir das mal so stehen. Lassen wir das stehen. „Was nicht konsumierbar ist, muss sie ankotzen.“ (RAF) – ist nicht konsumierbar, nicht mal zum kotzen.

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