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José León Sánchez
Tenochtitlan
Die letzte Schlacht der Azteken
(Tenochtitlan – Lá última batalla de los aztekas, 1986)

Unionsverlag
1997
Übersetzt von Leni López
474 Seiten
DM 19,90


Von Alfred Ohswald am 15.05.2001

  Als Hernán Cortés am Strand Mexikos auftaucht wissen der Herrscher der Azteken Moctezuma und seine Berater in ihrer Hauptstadt Tenochtitlan nicht recht, wie sie auf ihn reagieren sollen. Einige halten ihn für den Gott Quetzalcóatl, dessen Rückkehr einst prophezeit wurde und jetzt ihrer Überzeugung nach passiert. Andere halten ihn für einen gefährlichen Feind.
  Cortés zieht mit seinen spanischen Soldaten inzwischen Richtung Tenochtitlan und versucht inzwischen möglichst viel über die Azteken zu erfahren. Geschickt nützt er den Hass der von den Azteken unterdrückten Völker aus und gewinnt wichtige Verbündete. So zieht er dann mit seinen Soldaten und tausenden indianischen Kriegern teilweise begeistert begrüßt, teilweise misstrauisch beobachtet, in Tenochtitlan ein. Aber der Friede hält nicht lange und die Spanier und ihre Verbündeten nehmen Moctezuma und andere vornehme Azteken als Geißeln und verbariekartieren sich in Moctezumas Palast. Ihre Versuche, den Haupttempel zu erobern scheitern und Freipressversuche mit Hilfe ihrer Geißeln gelingen auch nicht.
  Unter hohen Verlusten gelingt Cortés die Flucht aus der Stadt und seine Zukunft scheint besiegelt. Aber die Spanier schleppten Krankheiten ein, gegen die die Einheimischen keine Abwehrkräfte haben. Und ein Verrat bringt Cortés noch einen sehr mächtigen Verbündeten.
 
  Sánchez beschreibt in seinem historischen Roman den Untergang der Azteken durch den spanischen Eroberer Cortés hauptsächlich aus der Sicht der Verlierer. Dabei stellt er aber nicht einäugig die Azteken als friedlich, human und gutmütig hin, sondern zeigt deutlich die grausamen Seiten ihrer Kultur und Religion. Diese brutal unterdrückten Vasallenvölker der Azteken sahen in Cortés oft eine Möglichkeit, sich zu befreien. Ohne diese Verbündeten wäre Cortés niemals lebend aus Tenochtitlan entkommen. Die spätere Eroberung wäre noch unmöglicher gewesen. Aber Cortés, seine spanischen Soldaten und die Vertreter der katholischen Kirche stehen den Azteken in Grausamkeit um nichts nach und fühlen sich durch keinerlei traditionelle Regeln gebunden, wie es bei den Azteken trotz aller Brutalität der Fall ist.
  Der in Costa Rica geborene Sánchez, der mit 20 Jahren Haft auf einer Gefängnisinsel eine ereignisreiche Biographie hat, hat sich mit „Tenochtitlan“ als eine Art Stefan Zweig Lateinamerikas gezeigt. Er gibt der indianischen Bevölkerung ihre Geschichte wieder. Dabei beschränkt er sich aber auf das Beschreiben des Geschehens und der aztekischen Kultur und benutzt keine Romanhandlung mit mehr oder weniger fiktiven Figuren als Rahmengeschichte. Es erinnert eben ziemlich an Zweigs historische Romane, als an moderne Vertreter des Genres. Der Leser sollte sich auf jeden Fall für das Thema interessieren, sonst wird ihn das Buch ziemlich sicher bald langweilen.

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