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Elmar Engel
Blackfoot, Cree, Mohawks...
Zur Geschichte der Indianer im Norden Amerikas

Lamuv Verlag
1993
304 Seiten
DM 19,80 öS 155,- sFr 20,80


Von Alfred Ohswald am 30.04.2001

  Engel, der auch sonst schon einige Sachbücher über Indianer geschrieben hat, beschreibt hier das Schicksal der Stämme im Norden der heutigen USA und Kanadas. Zuerst gibt es eine kurze Einführung zur Vorgeschichte von der Besiedlung des Kontinents und bis zum Auftauchen der Weißen.
  Dann wird die Zeit der Kolonialisierung und des Pelzhandels der Franzosen und Engländer und der Krieg zwischen ihnen abgehandelt. Können hier Anfangs noch mächtige Stämme, wie die Irokesen, die neuen Waffen und die geänderten Machtverhältnisse für sich nutzen, bedeutet spätestens das Auftauchen von größeren Verbänden regulärer Truppen, dass ihnen nur mehr die Wahl bleibt, wem sie sich mehr oder weniger unterwerfen. Unter anderem erfährt man hier die historischen Hintergründe zu den Lederstrumpf-Romanen. So war der reale Uncas kaum ein Held der Indianer und die „bösen“ Huronen wurden von den nicht zuletzt durch ihre Feuerwaffen überlegenen Irokesen ausgerottet. Diese Irokesen, auch „Bund der fünf Nationen“ genannt, weil sie aus einem Bündnis von fünf Stämmen bestehen, wurden und werden oft für die demokratisch anmutenden Verhältnisse bei ihnen bewundert. Das gilt aber nur nach innen, gegen andere Stämme führen sie erbitterte Kriege und manche Gefangene foltern sie auf unvorstellbar grausame Weise zu Tode. Auch ihr angeblich so rücksichtsvolles Verhalten gegenüber der Natur ist bei vielen Stämmen eine fromme Legende. In der nördlichen, unwirtlichen Tundra töten sie jedes Tier, das ihnen über den Weg läuft, auch wenn sie weder Fleisch noch Fell benötigen.
  Das Meiste kennt man heute aus den wenigen, schriftlichen Zeugnissen von Weißen, die aus irgend welchen Gründe länger mit Indianern zu tun hatten. Ob sie jetzt für längere Zeit in ihre Gefangenschaft gerieten, wie John Gyles, oder mit ihrer Unterstützung auf Entdeckungsreise gingen, wie Samuel Hearne im unwirtlichen Norden.
  Als die Amerikaner um ihre Unabhängigkeit kämpften, gerieten viele Stämme wieder zwischen die Fronten und waren nach ihrem Sieg starken Repressalien ausgesetzt. Viele flohen, wie auch die Irokesen, nach das nach wie vor britische Kanada.
  Eine wichtige Rolle spielte die den Fellhandel mit den Indianern zusammen mit einigen anderen, kleineren Händlern dominierende Hudson Bay Company. Der Fellhandel ermöglichte den Indianern, an für sie sehr hilfreiche Dinge zu kommen. Von Decken, über diverse Werkzeuge bis zu Feuerwaffen erleichterten ihnen deutlich das Leben. Die Felljagd bedeutete aber auch eine Änderung in ihren Lebensgewohnheiten. Auf der anderen Seite sorgte die Company im eigen Interesse für einen gewissen Schutz für die Indianer, weil sie als Jäger unumgänglich waren. Der Frauenmangel auf den Handelsposten sorgte für eine große Zahl an Mischlingen, die sich als besonders tüchtige Pelzjäger oder Scouts erwiesen.
  Neben einigen anderen Dingen schreibt der Autor dann noch über die heutige Situation der Indianer in Kanada ziemlich ausführlich.
  Aufgrund der umfangreichen Thematik kann Engel vieles natürlich nur skizzenhaft beschreiben. Trotzdem bekommt man hier eine gelungene Übersicht über die in der Öffentlichkeit meist weniger bekannten Indianerstämme und -persönlichkeiten und ihrer Geschichte, weil sie im amerikanischen Western praktisch kaum eine Rolle spielten.

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