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Maurizio Testa
Maigret und der Fall Simenon
(Maigret e il caso Simenon, 1998)

Residenz Verlag
2001
Übersetzt von Karin Fleischanderl
180 Seiten
DM 34,90


Von Johann F. Janka am 22.04.2001

  Kommissar Maigret wird von Richter Comeliau für einen Spezialauftrag herangezogen. Er soll alles über den Schriftsteller Georges Simenon herausfinden. Wie er gelebt hat, wie er in der Nazizeit überlebt hat und wie es mit seinem Sexleben ausgesehen hat. Kurzum, Maigret hat den Auftrag, das gesamte Leben und Schaffen des Autors zu beleuchten. Angeblich beabsichtigen höchste politische Kreise der Republik Georges Simenon nach dessen Tod als Aushängeschild der französischen Kultur zu verwenden. Maigret, der Simenon, aus der Zeit als dieser ihn als Romanvorlage auserwählt hatte, persönlich kannte, wusste nicht mehr über den Grund der Aktion und verstand vorerst überhaupt nicht, warum er, der gewöhnlich Mörder jagte, sich um diese sonderbare Angelegenheit kümmern sollte. Widerwillig macht er sich an die Arbeit, beginnt zu recherchieren und stößt auf immer mehr Menschen, die sich mit Simenon umgeben hatten. Immer tiefer dringt der Kriminalist in das Leben des berühmten Autors. Dabei muss der Kommissar aber höchst sensibel vorgehen – keine Vernehmungen oder Verhöre – nur fragen und zuhören. Maigret, der nicht unbedingt von sich behauptet Literaturfachmann zu sein, beginnt mehr und mehr den ihm nicht gerade sympathischen Simeon kennen zu lernen. Aus der anfänglichen Abneigung dieser Aufgabe wird systematisch eine Art Puzzle für dessen Fertigstellung der Kommissar nun sogar eine gewisse Leidenschaft aufzubringen im Stande ist. Seine immer interessanter werdende Aufgabe führt ihn quer durch Europa und sogar in die Vereinigten Staaten von Amerika.
 
  Maurizio Testa, italienischer Journalist, 1954 in Rom geboren, ist Cheflektor in einem Verlag, hat mit „Maigret und der Fall Simenon“ einerseits einen guten Krimi geschrieben, der eigentlich keiner ist, und andererseits, mit soviel Überzeugungskraft eine Art Biographie des Schriftstellers Simenon geschaffen, die beeindruckt. Maigret „ermittelt“ mehr als glaubwürdig. Man möchte meinen, der berühmte Kommissar wäre auferstanden, wenn da nicht das kleine Problem wäre, dass eben der literarische Vater Maigrets, im weitesten Sinne, der „Gesuchte“ ist. Maigret wie er leibt und lebt, spannend und unterhaltsam zugleich möchte man, gleich dem Auftraggeber Richter Comeliau, immer mehr Neuigkeiten über Georges Simenon erfahren. Nur einer lässt sich nicht aus der Ruhe bringen – Maigret! Der Kommissar „löst“ den „Fall“ letztendlich, auf seine, für alle sehr überraschende, Weise.

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