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David Rohl
Pharaonen und Propheten
Das Alte Testament auf dem Prüfstand

Bechtermünz Verlag
2000
510 Seiten
DM 29,80


Von Gitta Warnemünde am 13.04.2001

  Der nicht hinreichend vorgebildete Leser wird sich nach der Lektüre dieses Buches unter Umständen nicht klüger, eventuell sogar verwirrter als vorher wiederfinden. Rohl verwendet außer ägyptologischen auch zahlreiche Belege der Bibelwissenschaften und der vorderasiatischen Archäologie als Beweis bzw. als Vergleichsmaterial. Das heißt, wer sich in diesen Disziplinen gar nicht oder wenig auskennt, hat kaum Chancen der Beurteilung geschweige denn der Plausibilitätsprüfung. Rohl korrigiert in seinem Buch einen erheblichen Teil der orthodoxen Chronologie (OC) des alten Ägypten. Ein paar Beispiele:
 
 Unter Sesotris III - Josef wird nach Ägypten verkauft
 OC 1837, nach Rohl 1683
 
 Unter Amenemhet III: Josef wird das Amt des Wesirs übertragen
 OC 1818, nach Rohl 1670
 Nach Rohl folgen ab 1670 die fetten Jahre der Bibel mit der Folge einer "Agrarreform" Josefs, ab 1662 setzt dann die Hungersnot ein (nicht wegen Dürre, sondern wegen übermäßigen Hochwassers) mit der Folge der Entmachtung der Gaufürsten durch Josefs Reform
 
 Moses wächst am Hof von Neferhotep I als Prinz auf
 OC 1705, nach Rohl 1550
 
 Moses flieht aus Ägypten unter Sobekhotep IV
 OC 1694, nach Rohl ca. 1520 (?)
 
 Moses kehrt zurück unter Dedumose (taucht in der OC nicht auf) und bricht mit seinem Volk auf zum Exodus
 nach Rohl ca. 1500 (?)
 
 Rohl sieht in Echnaton einen Zeitgenossen von König David und in den Amarnabriefen Hilferufe wegen des vor der Reichseinigung kämpfend und brandschatzend durch Palästina ziehenden David
 OC 1370, nach Rohl 1090
 
 Haremhab war nach Rohl Zeitgenosse von Salomo und gab diesem eine seiner Töchter zur Frau
 OC 1340, nach Rohl späte Bronzezeit (1200 - 800 v.Chr.)
 
 Nicht Seschonk plündert nach Rohl als der Sisak der Bibel Jerusalem, sondern Ramses II
 OC 1279, nach Rohl 925
 Beleg u.a.: in den Feldzug"protokollen" Scheschonks taucht die Stadt Jerusalem nicht auf, angeblich jedoch in einer Inschrift im Ramesseum, dem Totentempel Ramses II in Theben West.
 
  Rohl untermauert seine Theorien z.B. mit chronologisch fehlenden Gedenkstelen für die Apisstiere in Serapeum von Sakkara, an Genealogien von Handwerkern bzw. Beamten, an Namensgleichheiten beim Übertragen vom Ägyptischen ins Akkadisch-Hebräische und umgekehrt, an diversen Tempelinschriften, an der Lage einiger Gräber in Tanis.
 
  Da uns die alten Ägypter ihre eigene Chronologie nur in relativen Zahlen hinterlassen haben (jeder König fing beim Jahr 1 seiner Regierungszeit zu zählen an), die noch dazu teilweise zerstörten Dokumenten entnommen werden müssen, und den Historikern das Leben
 außerdem durch Koregentschaften schwer machen, sind Spekulationen und Beugungen bei der zeitlichen Einordnung von Ereignissen Tür und Tor geöffnet, so dass eine gewisse Vorsicht gegenüber Rohls Theorien nicht unangebracht ist. Eins muß man ihm jedoch lassen: er hat sich alle erdenkliche Mühe gegeben, seine Theorien zu untermauern und das ist - ungeachtet aller Skepsis - respektabel.

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