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A. L. Kennedy
Stierkampf

Wagenbach
2001
156 Seiten
DM 32,-


Von Claudine Borries am 09.04.2001

  A.L. Kennedy beschließt, sich umzubringen. Sie hat Kummer, ist traurig und meint, dass sie nicht mehr schreiben könne. Ihre Wohnung ist ihr zu groß geworden. Sie braucht ja kein Arbeitszimmer mehr, und andere könnten mehr damit anfangen.
 Als sie eine unsägliche Melodie aus ihrer Schulzeit, Mhairis Wedding, aus der Ferne herüberklingen hört, kann sie ihr Vorhaben zum Selbstmord nicht ausführen. Es kommt ihr unmöglich vor, mit so einer banalen Melodie im Ohr zu sterben.
  So beginnt in schnellem Tempo, mit Witz, Sarkasmus und einer Portion distanzierender Ironie die Geschichte über Kennedys neuen Versuch, ein Buch zu schreiben. Sie bekommt den Auftrag, ein Buch über den Stierkampf zu schreiben. Sie will sich und anderen beweisen, dass sie noch schreiben kann. Und sie kann es!
  Nicht wie Papa Hemingway geht sie das Thema an; nein, sie informiert erst einmal über die Bedeutung des Stiers in der Sagen- und Götterwelt. Und sie fährt nach Spanien, um sich in die Welt Spaniens einzustimmen. Ihr dichterisches Vorbild ist Federico Garcia Lorca, ein Dichter, Dramatiker und Märtyrer des spanischen Bürgerkriegs. Kennedys politisches Herz schlägt unverkennbar links.
  Sie lernt den Begriff "duende" verstehen, womit das Dunkle, Untergründige in der Kunst genauso gemeint ist wie die Verehrung des Todes und der Toten. Von Lorca selbst wird dieses „duende“ als typisch spanisch bezeichnet. Der Stierkämpfer riskiert den Tod, um zu leben. Und Kennedy zieht eine Parallele zur Schriftstellerei mit diesem risikoreichen Lebensstil. Schreiben, um zu leben und auch, weil es dem leben Sinn gibt.
  Dass Leben und Tod, Kampf, Sieg oder Niederlage, dicht beieinander liegen, das macht den Reiz des Stierkampfes aus und ist eine Parabel gleichsam auf das Leben.
 Sie beschreibt ausführlich, welche Rituale zum Kampf gehören, welche Bedeutung Glaube und Verzweiflung für den Ausgang des Kampfes haben können. Diesen Kampf zwischen Verzweiflung und Glaubenssuche erlebt die Schriftstellerin in ihrem Metier nach eigenem Bekunden selbst.
  Rituale, die Gefühle ausdrücken, bestimmen den Ablauf des Stierkampfes.
 Glücksgefühle und in schneller Folge der Tod sind Bestandteile des Kampfes. Immer wieder zieht Kennedy Parallelen zum Dasein des Schriftstellers, der kämpft, siegt, verliert und manchmal nah an der Grenze zum seelischen Tod lebt.
 
  Nach den ersten so fesselnden Kapiteln fällt die Geschichte nach meiner Meinung insofern etwas ab, als die detailgenaue Beschreibung des Stierkampfes einen zu breiten Raum einnimmt. Sowohl Aufzucht, Herkunft und Wesensart der verschiedenen Stierzuchtarten werden beschrieben ,als auch, durchaus sozialkritisch, Herkunft, Glamour, schnell verdientes Geld und Luxus der Toreros. Es gibt ausdauernde Schilderungen der Kämpfe selbst, die nach Meinung der Autorin zuweilen in unwürdige Schlachtereien ausarten.

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