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Alistair MacLeod
Land der Bäume

S. Fischer Verlag
2001
285 Seiten
DM 39,90


Von Claudine Borries am 09.04.2001

  Das Sujet zu diesem Roman bildet die Geschichte eines schottischen Clans, der um 1784 aus Schottland nach Kanada, Ontario, in das "Land der Bäume", einer Landschaft des rauen Kap Breton an der kanadische Atlantikküste, eingewandert ist.
 Der Bogen spannt sich vom Urgroßvater des Icherzählers immer wieder hin zur Gegenwart.
 
  Die Schilderung beginnt mit einer Fahrt durch die herbstliche Landschaft Ontarios und die vom bunten, farbenprächtigen Laub der Bäume gesäumten Strassen. Der Leser hat sofort einen lebendigen Eindruck von der Stimmung, die dieser Erzählband zu vermitteln vermag. Vergleichbare Beschreibungen einer herbstlichen Landschaft kenne ich sonst nur aus Gedichten.
 
  Der Erzähler fährt mit dem Auto nach Toronto, um seinen alkoholkranken Bruder zu besuchen. Die ärmliche Gegend, die heruntergekommene Behausung des Bruders, wird ebenso wortreich und malerisch beschrieben, wie der bunte Herbst, so dass der Leser gleich gebannt ist.
  Auch zeigen die Befindlichkeiten beider, wie unterschiedlich die Lebenswege von Brüdern sein können. Der eine ist wohlsituiert, der andere durch schwere Bergarbeit und Rechtshändel aus der Bahn geworfen.
  Aber nicht diese beiden Brüder alleine spielen in dem Roman ein Rolle, sondern die ganze Familie mit ihrem Umfeld, ihren kleinen und großen Nöten und immer wieder die Landschaft, wird beschrieben.
  Der Icherzähler, Bruder, Sohn und Verwandter der weitverzweigten Familie, geboren um 1945, lässt seine Gedanken zurückwandern, um sich das Bild seiner Familie und seiner Vorfahren zu vergegenwärtigen.
  Er beschreibt die einfachen Verhältnisse, in die er hineingeboren wurde. Das Leben in dem rauen, zerklüfteten aber auch fruchtbaren Land im Südwesten Ontarios bot den Einwanderern nur spärlichen Broterwerb unter harten äußeren Bedingungen. Minenarbeiter und Leuchtturmwärter, Fischer und mit ein wenig Glück auch mehr, konnte man dort nur werden. Eine ungestillte Sehnsucht nach Schottland, dem Land der Väter, bleibt und macht sich bei der Betrachtung des Meeres bemerkbar.
 
  Nur mit Mühen und schwerer Arbeit gelingt es einigen Familienmitgliedern, zu geringem Wohlstand mit einfachem Komfort zu gelangen. Der Icherzähler konnte studieren, ist Kieferorthopäde geworden und gehört zu denen, die es geschafft haben.
 
  Nach der vielversprechenden Einleitung ist der Gang der Dinge und sind die Wege der Familienmitglieder teilweise ein wenig weitschweifig beschrieben. Immerhin bekommt man einen Eindruck von einer großen Familie, ihrem Tun und Lassen. Das Familienleben wird von engem Zusammenhalt bestimmt. Eingebettet in die Solidarität und die Hilfe aller untereinander, entsteht das Bild eines Clans, wie wir ihn uns vergleichbar kaum vorstellen können.
  Die raue Landschaft steht im Widerspruch zu dem liebevollen, herzlichen Klima in der Familie. Nichts Kitschiges haftet dem Ganzen an, sondern es ist verständlich, dass sich unter den äußeren Bedingungen der Zuneigung auch die inneren Bindungen zueinander entsprechend gestalten. Toleranz und Nächstenliebe im weitesten Sinne scheinen das Leben zu bereichern.
 
  Die Übersetzung erscheint mir ausgezeichnet. Die Vielfalt der sprachlichen Schönheit, mit der Landschaft , Menschen und Begebenheiten beschrieben werden, ist sehr gelungen. Es ist ein schöner, ruhiger Roman, den man in einer Stunde der Muße zur Hand nehmen sollte.

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