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Walter Egon Glöckel, Jahrgang 1963, journalistische
Publikationen seit 1988, ab 1999 hauptberuflicher Journalist
& Publizist, Auslandsösterreicher
Herr Glöckel, Ihr Buch "Wer will die Wende?"
sorgte ja kurze Zeit für Aufregung. Gab es da, außer der
im Buch erwähnten Versetzung von Kollegen der WEGA und
der parlamentarischen Anfrage der Grünen, noch andere
Folgen?
Der Zeitpunkt der Veröffentlichung war absichtlich
so gewählt, daß diese in den Zeitraum der Koalitionsverhandlungen
zur Bildung einer Regierung in Österreich nach den Nationalratswahlen
fiel. Obwohl in den ersten Gesprächen mit den unterschiedlichsten
Medien sehr großes Interesse an der Thematik bekundet
wurde, und folglich zahlreiche Interviews stattfanden,
hielt sich die Berichterstattung dann in Grenzen. Ein
Ereignis mit der nunmehrigen Nationalratsabgeordneten
Barbara ROSENKRANZ (FPÖ) wurde von einem Magazin etwas
ausführlicher beschrieben. Dies schien offensichtlich
zu diesem Zeitpunkt, politisch gesehen, gelegen zu kommen.
Über Umwege wurde mir dann von einer Quelle mitgeteilt,
daß man seitens der Politik den Inhalt der "Wende" in
den Medien gerade zu diesem Zeitpunkt nicht thematisiert
wissen wollte.
Es war jedoch auch von vornherein klar, daß
sich bezüglich der im Buch geschilderten Sachverhalte
auch Ereignisse innerhalb der Sicherheitsbehörden, beispielsweise
des Innenministerium, ergeben würden, die jedoch in Folge
nicht an die Öffentlichkeit gelangen würden.
Amüsiert hat mich die Feststellung, daß es
nicht lange gedauert hat, bis mehrfach in den Medien davon
berichtet wurde, daß bei sogenannten Waffensammlern einschlägige
Materialien durch Sondereinheiten etc. beschlagnahmt und
diese Leute zur Anzeige gebracht wurden. Derlei Aufkäufe
habe ich im Buch angeführt. Das soll jedoch nicht bedeuten,
daß all diese Personen über einen Kamm zu scheren sind,
aber es gibt auch zahlreiche Rechte, die diesem Kreis
angehören bzw. Kontakte dahin pflegen, wie ich nachgewiesen
habe.
Haben Sie inzwischen näheres über die
Umstände Ihrer Kündigung und wer dahinter steckte, erfahren
können?
Man ist nicht an mich nicht herangetreten
und hat auch keinen Kontakt gesucht, das habe ich auch
gar nicht erwartet. Was man 1994 für notwendig erachtete
an Maßnahmen zu ergreifen, ist bekannt und was erachtet
wurde, mir mitzuteilen, habe ich schriftlich vorliegen.
Wie kam die, finanziell doch recht riskante
Entscheidung zustande, "Wer will die Wende?" im Eigenverlag
herauszugeben?
Vor längerer Zeit habe ich einen Verlag für
ein Buch gesucht und so wie hunderte andere auch meine
Erfahrungen damit gemacht. Damals habe ich mit Verlagsleitern
sehr offen gesprochen und nur zwei artikulierten, daß
sie aus wirtschaftlichen Überlegungen keine Veröffentlichung
vornehmen könnten. Sich mit einer dem damaligen Buchinhalt
zugrunde liegenden Organisation anzulegen, lehnten sie
aus mir zumindest verständlichen wirtschaftlichen Gründen
ab.
Im Gegensatz zu anderen Autoren verschanze
ich mich weder hinter einem Pseudonym, noch scheue ich
mich davor, die Dinge beim Namen zu nennen. Ich sehe mich
nicht als Literat, sondern als Publizist - so sind auch
mit allen Bestrebungen und trotz außenstehender Unterstützung
manchmal Schreibfehler zu finden, an deren Vermeidung
ich arbeite, aber der wesentlichste Aspekt ist der Umstand,
daß das, was ich schreibe, auch beweisbar ist. Sonst könnte
ich mir wohl die Art der Publizierung in der von mir vorgenommenen
Form nicht leisten. Vielleicht mag auch ein Unterschied
daran liegen, daß meine Publikationen Sachbücher sind,
die sich mit aktuellen Themen beschäftigen. Da ist keine
Zeit, um einem Verlag ein Manuskript zu senden, das zumindest
im überwiegenden Anteil brisante Inhalte darlegt und dann
Monate auf eine Antwort zu warten. Gegenüber einer Vertragsunterzeichnung
bei einem Verlagshaus mit Abtretung diverser Rechte bleibt
alles in meiner Entscheidungsfreiheit. Es ist eine deutliche
Mehrarbeit, aber es macht Freude, zum Beispiel selbst
die Gestaltung des Covers vorzunehmen.
Meine Entscheidung fiel dann zu Gunsten Book
on Demand aus. Einen Ausflug zu einer Literaturagentur
mit Sitz in der Schweiz unternahm ich dann noch vor Veröffentlichung
von "Das Foetibus Projekt". Wenn man aber der eigenen
Literaturagentur durch Photos und Dokumente die Echtheit
der Story nachweisen muß, dann ist wohl der eigene Weg
besiegelt.
Oft bekommt ein Sachbuchautor ja nach
Erscheinen eines Buches von verschiedenen Seiten Material
zu dem Thema zugespielt. War das bei Ihnen der Fall?
Es ist davon auszugehen, daß man Materialien
oder Informationen, die wirklich von Bedeutung sind, nur
dann erhält, wenn der Leser der Auffassung ist, daß der
Verfasser einer Reportage oder eines Buches wirklich integer
ist. Solche Kontakte sind die Highlights, denn sie bestätigen,
daß man auf dem richtigen Wege ist. Nach meiner Philosophie
hat der besagte Quellenschutz einen besonderen Stellenwert.
Seit über 20 Jahren, ob als Polizeibeamter, verdeckter
Ermittler oder später als selbständig Recherchierender
in doch sensiblen Bereichen, ist man bestrebt, gewissen
Kontrollmechanismen immer einen Schritt voraus zu sein.
Journalistenkollegen in Deutschland passierte
es vor nicht all zu langer Zeit, daß ihre Telephone überwacht
wurden und somit konnte eine gesuchte / kriminelle Person
von den Behörden gefasst werden. In Folge ging die Angelegenheit
bis zur obersten Gerichtsinstanz, weil der Sender, wo
die Kollegen beschäftigt sind klagte. Den Behörden gewannen
den Rechtsstreit. Die Überwachung des Fernmeldeverkehrs
wurde für rechtens befunden. Im Grunde erschreckend, weil
dies fernab jeglicher Pressefreiheit ist.
Wer in trüben Wasser fischt, der sollte wissen,
wie er vorgeht. Ich hatte sogar Überlegungen angestellt,
für Journalisten eigene Seminare zum Thema investigativer
Journalismus anzubieten, aber ehrlich gesagt bin ich selbst
froh, mich mit den notwendigen Kenntnissen auszustatten,
die die moderne Technologie mit sich bringt, um meinen
Vorsprung gegenüber anderer Stellen zu bewahren. Es fehlt
mir auch die Zeit, da viel Arbeit wartet.
Um die Frage zu beantworten: Ja - und das
zu den unterschiedlichsten Themenbereichen.
Wie waren die Reaktionen Ihnen gegenüber
auf das Buch?
Dinge brauchen ihre Zeit, und die "Wende"
ist ein Buch, das traurigerweise nie alt oder überholt
sein wird. Unmittelbar nach Erscheinen gab es einen Leser,
der mir persönlich schrieb und der meine Kündigung als
Unrecht einstufte - nett erachtete ich seine Empfehlung,
mich an die Volksanwaltschaft zu wenden.
Ein Radiosender, der über das "Foetibus" im
September dieses Jahres einen Beitrag gestaltete, warf
auch die Thematik der rechten Szene und dem Buchinhalt
der "Wende" auf. Es ist alles erst am Beginn - die Zeit
wird kommen und Menschen werden Fragen stellen. Sicherlich
ist es auch ein Unterschied, ob einmal von jemandem ein
Buch geschrieben wird und dann Stille eintritt. Das wird
bei mir sicherlich nicht der Fall sein. Menschen können
in meinen Büchern lesen, was Realität ist, keine Fiktion,
kein Roman - ich konfrontiere den Leser mit einer Wirklichkeit,
ich schreibe dort, wo andere sich nicht die Finge verbrennen
wollen oder sich auch bildlich schmutzig machen können.
Es gibt bei mir keine Interessen, die ich zu wahren habe,
um Unannehmlichkeiten zu vermeiden oder Konsequenzen,
die ich mit meinem Schreiben fürchten müßte.
Die Humanität ist der Grundpfeiler meiner
Arbeit. Wenn wir heute aus eigenem Interesse der Ignoranz
folgen oder uns ihr unterwerfen, wenn Menschen unter die
Räder kommen, weil andere sie ausbeuten oder Fehler begehen,
wenn wir da nicht aufstehen und jeder seinen ihm möglichen
Beitrag leistet, dann sind wir morgen selbst die Opfer
und haben das Recht verwirkt, den Mund aufzumachen.
In Ihrem aktuellen Buch "Das Foetibus
Projekt" bewegen Sie sich auch auf heiklem Terrain, gab
es dazu ein Nachspiel oder auffällige Reaktionen?
Man könnte ein Buch darüber schreiben, was
in diesem Fall bis dato geschah oder besser gesagt nicht
geschah. Irgendwann werden alle Beteiligten für ihre Handlungen
zur Rechenschaft gezogen werden, da bin ich mir sicher.
Ob dies nun die Straftäter waren, die internationalen
Menschenhandel betreiben oder die Angehörigen der Polizeibehörde,
die Fehler begingen. Es wird auch einen Staatsanwalt geben,
der peinliche Fragen zu beantworten haben wird.
Die Medien in Deutschland haben bis heute
keinen Beitrag über das Buch veröffentlicht. Ein sehr
bekanntes Nachrichtenmagazin wollte mir die Geschichte
vor der Buchveröffentlichung abkaufen, aber dann ohne
Nennung meines Namens veröffentlichen. Es ist traurig
geworden in der Medienlandschaft, scheinbar ist nur noch
Geld das Thema, und der wahre Journalismus bleibt dabei
auf der Strecke.
Von der Redaktion einer großen regionalen
Zeitung, in deren Verbreitungsbereich der Tatort des Verbrechens
lag, mußte ich mir telephonisch sagen lassen, daß nach
Ab- und Rücksprache mit dem Staatsanwalt keine Veröffentlichung
erfolgen würde.
Die Beurteilung über solche Aussagen soll
jeder selbst für sich vornehmen.
Auf Ihrer journalistischen Webseite muenchnernotizen.de
schreiben Sie zu zahlreichen Themen. Schätzen Sie die
Freiheit dieses Mediums so stark, dass Sie es gegenüber
der sicher lukrativeren Möglichkeit der Arbeit für eine
Zeitung oder Magazin bevorzugen?
Eigentlich wollte ich die muenchnernotizen.de
gegen Ende des Sommers 2002 nicht mehr mit neuen Beiträgen
bestücken und mich nur noch auf die Publizierung von Sachbüchern
konzentrieren. Aus diesem Grunde habe ich mich als Herausgeber
von den Lesern verabschiedet. Dann gab es immer wieder
Ereignisse, bei denen es mich in den Fingern juckte. Themen,
die inhaltlich nichts mit Büchern am Hut haben. Natürlich
wäre es ökonomischer, Beiträge an Zeitungen zu verkaufen.
Aber ich kehrte zu meiner Leserschaft zurück. Die muenchnernotizen
sind mein Arbeitsbereich, mit dem ich als eigenständiger
Schreiber/Herausgeber meine Lernschritte gemacht habe.
Sie sind ein Spiegelbild, das mir zeigt, wie ich begonnen
habe und wie die Entwicklung vor sich ging. Immerhin hat
die Seite über 70.000 Aufrufe pro Monat, das ist heute
meine Reputation. Es gibt keine Fremdfinanzierung und
wenn ein Medium von sich behaupten kann, es sei wirklich
unabhängig, dann gehört dieses Online-Magazin zu diesem
wirklich nicht großen Kreis. Auch wenn die Publikation
von Beiträgen aus Zeitgründen nicht regelmäßig erfolgt,
so hat es dieses Online-Magazin geschafft sich seinen
medialen Stellenwert zu erarbeiten.
Daß meine Webseite gegenwärtig bei Google
News als Quelle international gelistet wird, kann ich
nur durch den qualitativen Inhalt erklären.
Ihr nächstes Buch beschäftigt sich mit
den Zeugen Jehovas. Können Sie uns ein wenig erzählen,
was uns da erwartet?
Es ist ein Sachbuch und dokumentiert nach
mehrjähriger Recherche die Methodik der Führung der Zeugen
Jehovas, mit der sie ihre Anhängerschaft psychisch an
die Organisation bindet. Man sollte über den Umstand informiert
sein, daß ehemalige Angehörige dieser Sekte nicht nur
zunehmend in psychologischer Behandlung sind, sondern
es auch den noch bedrückenderen Umstand der Selbstmorde
von Aussteigern gibt.
Mit keiner Menschengruppe habe ich zuvor so
zahlreiche Gespräche geführt, wo tatsächlich Angst und
Schrecken durch Elemente wie Satan, Dämonen und Geister
artikuliert wurden. Unter anderem habe ich für die Recherchen
über 26.400 einzelne Literaturseiten aus Zeugen Jehovas-eigenen
Publikationen durchgearbeitet. Das Resultat wird meiner
Meinung nach mit dem Buchtitel: "Die Methodik der Dämonen
der Zeugen Jehovas" am treffensten zum Ausdruck gebracht.
Jetzt kommt es offensichtlich zu einer offenen
Auseinandersetzung mit der Organisation, da mit 19. November
die erste Klageandrohung einer Kanzlei in der Redaktion
der muenchnernotizen eingetroffen ist. Man versucht offensichtlich,
die Informationsverbreitung dieses Buches zu unterbinden,
da ich auf meiner Journalisten-Homepage bereits verlautbart
habe, daß dieser Titel aus rechtlichen Gründen nicht über
den Buchhandel verkauft werden kann, sondern eine eigene
Vertriebsschiene eingerichtet werden wird.
Es wird interessant, wenn Ideologie gegen
Gesetz sich zu einer Konfrontation einfinden wird.
Gibt es schon ein weiteres fixes Buchprojekt?
Im kommenden Jahr, lassen Sie es mich so
umschreiben, wird es einen Konzern geben, der mit meinem
neuen Buch nicht viel Freude haben wird. Doch zu Beginn
des Jahres sollte vorerst die englische Übersetzung des
Zeugen Jehovas-Buches Vorrang haben. Dann warten Aufzeichnungen
aus vergangenen Tagen, um vielleicht in Buchform zu gelangen
- vielleicht kommt mit einem anderen Buchprojekt gleichzeitig
ein erster Film.
Es ist alles auch eine Frage des Geldes, denn
ich habe einen Menschen kennen gelernt, mit dem ich gerne
ein Projekt in Afrika umsetzen möchte. Was auch immer
kommen mag: Es hat mit Menschen zu tun, Menschen wie Sie
und ich und mit ihrem Schicksal.
Herlichen Dank für das Interview!
Von Alfred
Ohswald am 27. 11. 2003
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