| Im März
2009 erschien der Debutroman „Warten auf Poirot“
der 1977 geborenen Autorin. Nach der Matura (dt. Abitur)
absolvierte sie vier Jahre am Konservatorium der Stadt
Wien eine Ausbildung zur Schauspielerin. Neben zahlreichen
Bühnenrollen war sie im Fernsehen in der Serie „Kommissar
Rex“ in der Folge „Der Vollmondmörder“
zu sehen.
„Warten auf Poirot“ ist
ja geradezu ein Kammerspiel. Spielte da ihre Theatererfahrung
eine mehr oder weniger bewusste Rolle oder gab es eher
ein literarisches Vorbild?
Ich hab beim Schreiben witzigerweise immer
an einen Film gedacht. Aber mittlerweile haben schon einige
Leute – so wie Sie - gemeint, es würde sich
gut als Theaterstück eignen.
Beabsichtigt war es keinesfalls. Aber ich
mag Bücher, in denen die Personenzahl überschaubar
ist. Und auch die Örtlichkeiten. Wobei mein Krimi
eigentlich nur aus einem einzigen Grund auf einer abgelegenen
Berghütte spielt: Damit, nach dem Mord, nicht gleich
die Polizei auftaucht. Und warum? Ich habe in der Karenz
mit dem Schreiben angefangen. Meine Tochter war damals
zwei Monate alt. Ich hatte keine Ahnung von Polizeiarbeit,
nicht einmal von den polizeilichen Hierarchien hier in
Österreich, und damals als Jungmutter hatte ich keine
Zeit und auch kein Interesse daran, mich um Informationen
solcherart zu kümmern. Also hatte ich beschlossen,
dass die Polizei eben keine große Rolle in meinem
Krimi spielen darf.
Gibt es einen Grund, dass ihre Figuren
allesamt Frauen sind?
Ich hatte damals gerade Joy Fieldings „Nur
wenn du mich liebst“ gelesen – vier Freundinnen,
von denen eine gleich zu Anfang dem Leser erzählt,
dass eine von ihnen ermordet werden wird, eine letztendlich
gar keine Freundin ist, und nur zwei von ihnen übrig
bleiben. Das hat mich damals schon fasziniert. Joy Fieldings
Buch erzählt eine völlig andere Geschichte als
meins, aber im Nachhinein glaube ich, dass allein dieser
Beginn mich damals schon sehr beeinflusst hat.
Ihr Schwerpunkt liegt ja bei der Beschreibung
der verschiedenen Charaktereigenschaften der Figuren.
Wo haben sie sich die Ideen für die doch recht ausgeprägten
und deutlich unterschiedlichen Charaktere geholt?
Oh, das ist einfach eine bunte Mixtur aus
meinen eigenen Charaktereigenschaften und denen meiner
Freundinnen. Natürlich sind die fünf im Buch
alle extrem. Sie sind ja auch alle miteinander nicht unbedingt
DIE Sympathieträgerinnen, aber ich wollte sie so
haben. Ich wollte eben keine supertolle Frauenfreundschaft
zeigen, sondern so, wie es manchen von uns auch gehen
kann. Freundschaft, gerade unter Frauen, kann schon auch
was mit Missgunst und Neid zu tun haben. Das heißt
aber nicht, dass meine wirklichen Freundinnen Biester
sind!
Ist es ja schon fast selbstzerstörerisch,
einen oder eine nicht für weitere Fortsetzungen geeignete
Helden oder Heldin zu schaffen, ist die bewusst auf den
ersten Blick am wenigsten zur Heldin geeigneten Hauptfigur
Charlie noch viel ungewöhnlicher. Warum haben sie
eine so ungewöhnliche Heldin gewählt?
Ich wollte eine Frau haben, die auf keinen
Fall mutiger, selbstsicherer oder sonst irgendwie besser
ist als der Leser/die Leserin. Ich selbst ärgere
mich über Heldinnen, die schön, klug und schlagfertig
sind. In meiner Jugend habe ich so was gemocht, da hatte
ich ja auch noch die naive Aussicht mal selbst so zu sein!
Aber jetzt freue ich mich über Figuren, die Dinge
vielleicht noch schlechter machen als ich – und
trotzdem die Hauptrolle haben. Und trotzdem etwas schaffen.
Und das ist doch so bei Charlie. Ich finde, das kann einem
beim Lesen auch Mut für das eigene Leben machen.
Ist schon ein weiterer Roman in
Arbeit oder liegt gar schon in der Schublade? Und was
dürfen wir literarisch in nächster Zukunft von
ihnen erwarten?
In der Schublade liegt einer und zwei halbe.
Wobei eineinhalb davon Krimis sind und der zweite halbe,
an dem ich gerade schreibe, ein Frauenroman wird. Ich
hatte mein „Warten auf Poirot“ sehr lange
Zeit bei einem großen deutschen Verlag liegen, denen
er gut gefallen hat und die dann spät, aber doch
abgelehnt haben. Die Lektorin hat mir damals gemailt,
ich solle es mit einem Frauenroman versuchen, sie meinte,
das würde mir noch mehr liegen. Und das mach ich
jetzt …
Mein Verlag, Ariadne, war aber letztendlich
goldrichtig für mich. Die haben mir ein ganz tolles,
ausführliches Lektorat ermöglicht. Ich glaube
nirgendwo sonst hätte ich soviel dazulernen können.
Herzlichen Dank und viel Erfolg bei den
zukünftigen Projekten!
Von Alfred
Ohswald am 21. April 2009
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