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Herr Marecek lassen Sie uns mit Ihren
Zeilen "Und für meine Mutter, die immer dafür sorgte,
dass genug zum Lachen im Haus war" beginnen. Ist Ihre
Mutter in irgend einer Weise daran "schuld", dass Sie
Schauspieler wurden?
Schuld insofern, als sie nach jedem "Simpl"
Besuch tagelang beim Abendessen versuchte, sich an die
Pointen zu erinnern, und so herzlich darüber gelacht hat,
dass vielleicht schon damals in mir die Idee keimte: "Es
muss schön sein, einen Beruf zu haben, der Leute so zum
Lachen bringt, der ihnen so viel Vergnügen bereitet".
Wie sehr hatte Ihr Elternhaus generell
Einfluss auf Ihrem Weg zur oder in die Schauspielerei?
Einen sehr großen - indem sie nicht den geringsten
Versuch machten, diesen Weg zu verhindern!
Sie zählen zu den bekanntesten österreichischen
Schauspielern und Regisseuren (Charlys Tante, Pension
Schöller, Die Nachbarn) und sind nach der "Lieben Familie"
und dem "Bockerer 1 und 2" auch wieder verstärkt im Fernsehen
präsent, ich denke da nur an "Die Neue" und aktuell in
"Soko Kitzbühel". Trotzdem wirken Sie sehr bescheiden
und bodenständig. Schreiben Sie diesen Umstand in erster
Linie Ihrem Wesen zu oder auch der Tatsache, dass Sie
- wie Sie im Buch beschreiben - in eher bescheidenen Verhältnissen
aufwuchsen.
Mich hat am Theater immer nur der Mensch
interessiert. Mit seinen Nöten, seinen Sorgen, seinen
Ängsten, seinem Glück, seinem Leid, mit seinem ständigen
Versuch, die Regeln dieses seltsamen Spiels "Leben" zu
durchschauen. Als Schauspieler und als Regisseur.
Private Attitüden halte ich für kindisch.
Wie hat Reinhardt so wunderbar gesagt: "Der wahre Schauspieler
ist nicht Versteller sondern Enthüller".
Was hat Sie dazu bewogen gerade jetzt
dieses Buch zu schreiben? Man darf annehmen, dass es Ihnen
schon länger ein Bedürfnis war diese Leckerbissen an Sprüchen
und Erlebnissen einem breiten Publikum zu eröffnen.
Ich habe seit frühester Jugend eine Leidenschaft
für Geschichten. Ich habe sie verschlungen. Die gelesenen,
die erzählten - und die erlebten. Und - ich habe mir ungeheuer
viele gemerkt.
Da man aber nie weiß, wie lange sich das Gedächtnis
als verlässlicher Verbündeter erweist, habe ich sie jetzt
sicherheitshalber einmal niedergeschrieben.
Hatten Sie einzelne Zitate, Dialoge oder
Ereignisse damals schon niedergeschrieben, oder zauberten
Sie das Buch aus Ihrem Gedächtnis?
Noch aus dem Gedächtnis, aber - siehe oben!
Der Name Marecek bürgt für Qualität und
Humor. Und nicht nur, wer Sie je im Theater "live" gesehen
hat, wird begeistert zustimmen. Da fällt mir eine geniale
Inszenierung aus den Kammerspielen ein, wo Sie mit Erwin
Steinhauer in "Was lachen Sie" mit Texten von Karl Farkas
und Fritz Grünbaum auf der Bühne stehen. Hatten Sie mit
diesem grandiosen Erfolg "Marecek-Steinhauer" gerechnet?
Oder hatten Sie mitunter auch ein flaues Gefühl? In die
Fußstapfen von Karl Farkas und Ernst Waldbrunn zu treten,
ist ja nicht gerade einfach.
Ich habe im Jahr 1988 zur Eröffnung der Festspiele
Reichenau einen Farkas-Abend inszeniert. Bis zur letzten
Sekunde war ich nicht sicher, ob das "Material" halten
würde, oder ob es überwiegend auf diesen beiden großen
Persönlichkeiten Farkas-Waldbrunn aufgebaut wäre. Wir
hatten Glück. Das Material erwies sich als durchaus "transportfähig".
Der Abend explodierte. Es war der Beginn einer wirklichen
Farkas-Renaissance.
Zurückkommend auf Ihren Partner Erwin
Steinhauer fällt mir auf, dass Sie ihn im Buch nicht erwähnen.
Ging bei dieser Inszenierung alles so glatt, dass es keinen
Spruch oder Ausrutscher für ihr Werk gab?
Interessanterweise gerät ja gerade die Arbeit
am "komischen" Material bei den Proben in die Nähe der
Arbeit von Gefäßchirurgen. Mit größter Präzision und Vorsicht
wird gebastelt, ausprobiert, Pausen und Blicke genauestens
festgelegt. Auch während der Vorstellungen wird das Material
wie eine Mozart-Partitur behandelt. Man leistet sich keinen
"Ausrutscher". Lachen sollen ja die unten - nicht wir
oben.
Man kennt Sie als Mann des feinen Humors,
wortgewandt und fröhlich. Wie schwer war oder ist es für
Sie, die verehrten und zum Teil auch geliebten Freunde
und Kollegen, wie Franz Stoß, mit dem Sie ja auch jahrelang
"Die liebe Familie" drehten, oder Alfred Böhm, Kurt Sowinetz
und erst vor kurzem Kurt Heintel, um nur einige zu nennen,
für immer gehen zu sehen?
Sie sind nicht für immer gegangen. In meinem
Hirn und in meinem Herzen gibt es sie ja noch - und durchaus
lebendig.
Stirbt mit jedem dieser großartigen Menschen
auch ein Stück Theater?
Natürlich. Darum bin ich auch ein so leidenschaftlicher
Vertreter der "Fackelweitergabe"-Theorie. Das Theater
beginnt doch nicht mit uns. Die Fackel hat lange vor uns
wer entzündet. Wir dürfen sie ein kleines Stück tragen
- und dann geben wir sie weiter.
Ihr Buch zu lesen ist beinahe wie eine
Zeitreise, die einen zwar am selben Ort verbleiben lässt,
jedoch in eine Epoche versetzt, von der man nicht leicht
wieder zurückkehrt oder zurückkehren möchte.
Ich hatte die Freude und Ehre Friedrich Torberg,
der bei uns in Breitenfurt - direkt neben Gerhard Bronner
- ein kleines Haus bewohnte, kennen zu lernen und einige
Male mit ihm zu sprechen.
Herr Marecek, Sie hatten das Glück alle diese
"Großen" des Theaters zu kennen und viele davon waren
Freunde von Ihnen. Was empfinden Sie, wenn Sie von dieser
"Zeitreise" wieder in die Gegenwart zurückkommen.
Es gibt einen sehr klugen Satz von P. Ustinov:
"Leben ist wie Autofahren - hin und wieder empfiehlt es
sich, einen Blick in den Rückspiegel zu werfen".
Hat sich die Schauspielerei und aber auch
die Arbeit an Inszenierungen in diesen beinahe 40 Jahren
verändert? Und wenn ja, wie?
Ich habe versucht diese Veränderung - die
meiner Meinung nach enorm ist - in meinem Buch zu beschreiben.
Hier ist einfach nicht genug Platz. Bitte nachlesen!
27 Jahre an einer Bühne lassen sich nicht
so leicht wegwischen. Hatten Sie Angst Inventar oder schlichtweg
nur Direktor des Josefstadtheaters zu werden, wenn Sie
noch länger geblieben wären?
Nein, Angst "Inventar" zu werden hatte ich
nie - bei aller Bescheidenheit. Direktor wäre ich ganz
gerne einmal geworden, davor hätte ich auch keine Angst
gehabt. Es hatte nur die "Josefstadt" von der ich wegging
schlicht und einfach nichts mehr mit der "Josefstadt"
zu tun, an die ich seinerzeit ging. Sie war verwechselbarer
geworden, austauschbar.
Also habe ich sie ausgetauscht - gegen ein
Leben in freier Wildbahn. Und ich muss ehrlich gestehen,
dass die Freude an der neuen "Freiheit", eventuelle sentimentale
Reminiszenzen bei weitem überwiegt.
Arbeiten Sie an neuen Projekten? Kann
ich Ihnen dazu irgendetwas entlocken?
Die nächsten 1 1/2 Jahre sind mit Fernsehproduktionen
in Deutschland und Österreich verplant. Zwischendurch
immer wieder Tourneevorstellungen von "Was lachen Sie?"
mit K. H. Hackl.
Ich kann mir schon vorstellen, dass es
sich in Bayern bzw. München auch gut leben lässt, muss
Sie aber dennoch fragen, ob Sie denn nicht Wien, Österreich
und im Besonderen auch das Burgenland zumindest als Weinliebhaber
und Gourmet vermissen?
Keine Angst, die Zeit zum "Äsen" und Trinken
in Wien, im Burgenland, in der Wachau oder in der Südsteiermark
finde ich immer. Ich würde fast sagen: "die spar ich mir
vom Munde ab" . . .
Haben Sie vor, für länger in Deutschland
zu bleiben, oder gibt es schon Pläne wieder nach Österreich
zurück zu kommen?
Ich bleibe nirgends für länger. Ich bin dort,
wo ich gerade drehe oder wo mich mein Tourneeplan hinführt.
Ich führe ein Zirkusleben. Mit entsprechenden Telefonspesen.
Und ich habe es sehr gerne so. Wie heißt es so schön im
"Mann ohne Eigenschaften": "Die Überschätzung der Frage,
wo man sich befindet, stammt aus der Hordenzeit, wo man
sich die Futterplätze merken mußte".
Ich hoffe, und bin sicher für sehr viele
zu sprechen, Sie in Zukunft bald auch wieder auf Österreichs
Bühnen zu sehen und/oder Ihre Inszenierungen zu genießen.
Auf jeden Fall wünsche ich Ihnen für die Zukunft und für
Ihre bevorstehenden Projekte alles Gute und darf mich
für Ihre Bereitschaft zum Interview herzlichst bedanken.
Von Johann F. Janka am 5. 2. 2003
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