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Interview mit Kai Meyer


Kai Meyer

   Kai Meyer, 1969 in Lübeck geboren, studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft und Germanistik und Philosophie. Später arbeitete er als Journalist, seit 1995 ist er freiberuflicher Schriftsteller.
  1993 veröffentlichte er sein erstes Buch, den dokumentarischen Roman "Der Kreuzworträtsel-Mörder". Es folgten zahlreiche weitere Romane. Zudem schrieb er mehrere Drehbücher (z.B. zum Horrorfernsehfilm "Schrei - denn ich werde dich töten", Erstausstrahlung in RTL am 10. November 1999, auf DVD erschienen als "School´s Out") und das Comic-Album "Engel: Pandoramicum".
  Die meisten seiner Bücher sind historischen Romane, meist mit einer Portion Phantastik und Mystik versehen. Weiters zu nennen sind die Jugendbuchreihe "Sieben Siegel" und die Merle-Trilogie ("Die Fließende Königin", "Das Steinerne Licht" und "Das Gläserne Wort")

  Sie haben sich schon in zahlreichen Genres versucht. Den größten Erfolg hatten dabei Ihre historischen Romane. Ergab sich das nur so, oder liegen Ihnen diese Art von Romanen besonders?

  Nahezu alle meiner Bücher haben einen historischen Hintergrund. Sogar "Das Haus des Daedalus", der im heutigen Rom spielt, basiert auf Elementen aus Historie und Okkultismus. Die beiden einzigen Romane, die ich ausnahmen würde, sind meine beiden ersten, "Der Kreuzworträtsel-Mörder" und "Schweigenetz". Aber seit dem dritten Buch, "Die Geisterseher", bin ich eigentlich recht konsistent, was das Genre angeht. Allerdings mag ich es, andere Elemente einfließen zu lassen: Horror, Abenteuer, Thriller. Letztenendes ist es immer eine persönliche Geschmacksfrage, in welchem Genre ein Autor arbeitet. Eigentlich sollte das immer genau die Sparte sein, die einem am besten liegt - das ergibt sich zwangsläufig von selbst.

  Sie erklärten schon oft, dass Sie mit Krimis weder als Leser noch als Autor mit Krimis etwas anfangen können. Wie kam es dann zu Ihrem Buch "Der Kreuzworträtsel-Mörder"? Auch wenn es vielleicht viele Elemente einer Reportage hat, bleibt es doch in gewissen Sinne ein Krimi.

  Ich war damals Volontär bei einer Tageszeitung, mitten in der Ausbildung zum Journalisten. Damals dachte ich noch, daß mir so etwas Spaß machen würde. Ich hatte vorher, während des Studiums, eine Handvoll Heftromane geschrieben und stand daher in Kontakt zum Bastei-Lübbe-Verlag. Als ich aus dem Lektorat erfuhr, daß man dort für die gerade begonnene "True Crime"-Reihe einen deutschen Band suchte, habe ich eine Geschichte aus meinem journalistischen Umfeld angeboten und gleich einen Vertrag bekommen, basierend auf einer kurzen Zusammenfassung von drei oder vier Seiten. Das Buch war ein ziemlicher Erfolg, und Bastei bot mir damals an, mehr in dieser Art zu machen. Das aber wollte ich nicht, und so kam es zu "Schweigenetz", einer Art Spionage-Thriller mit Elementen des gotischen Schauerromans.

  Bei Ihren historischen Romanen merkt man einigen Rechercheaufwand. Interessierten sie sich schon immer für Geschichte oder kam das mit diesen Büchern?

  Na ja, Geschichte war eines meiner Abiturfächer, aber wie das in der Schule eben so ist, war das mehr Zwang als Leidenschaft. Ich bin auch alles andere als ein Fachmann für, sagen wir, das Mittelalter oder den Dreißigjährigen Krieg, nur weil ich Romane vor diesem Hintergrund habe spielen lassen. Ich recherchiere intensiv - aber selten mehr als nötig.

  Gibt es Vorbilder in Literatur oder Film, die sie beim Schreiben beeinflußen?

  Nicht im Sinne von Idolen. Eigentlich waren es immer Geschichten, die mich beeinflußt haben, nicht Personen. Mein erster historischer Roman ging, zumindest was den allerersten Ideenfunken anging, auf meine Begeisterung für die alten Abenteuer-Vierteiler zurück, die während meiner Kindheit zu Weihnachten im ZDF liefen. Sowas wollte ich gerne selbst machen. Beim Schreiben kamen dann freilich noch ein Dutzend andere Einflüsse dazu.

  Warum entschieden sie sich für einige Romane für ein Pseudonym? Ihr Name ist doch mittlerweile so bekannt, dass er den Verkaufserfolg dieser Bücher eher begünstigen würde.

  Das waren ganz allein vertragliche Gründe, keine künstlerischen. Alle Bücher, die ich unter dem Pseudonym "Alexander Nix" erstveröffentlicht habe, liegen mittlerweile als neue Taschenbuchausgaben unter meinem richtigen Namen vor. Die Erstausgaben sind alle nicht mehr erhältlich.

  Einige Ihrer Bücher sind zur Zeit nicht mehr erhältlich. Wird an eine Neuauflage gedacht?

  Die beiden einzigen, die derzeit vergriffen sind, sind "Die Geisterseher" und die Fortsetzung "Die Winterprinzessin". Beide wurden von Lübbe angekauft und erscheinen 2002/2003 in neuen Ausgaben.

  In ihren Romanen spielt meist ein phantastisches Element eine mehr oder weniger bedeutende Rolle. Gibt es dafür einen bestimmten Grund?

  Wie gesagt: persönlicher Geschmack. Und der Wunsch, über staubige Historie hinauszugehen. Phantastik bieten unendliche Möglichkeiten, unter anderem die, recht unauffällig zum Surrealismus überzugehen (den ich sehr schätze).
  Ein gutes Beispiel hierfür ist "Der Schattenesser".

  Mit "Der Herr der Ringe" im Kino" oder "Die Nebel von Avalon" im Fernsehen ist die bisher im Film eher stiefmütterlich behandelte Fantasy, vermutlich nicht zuletzt dank der Computertrickfilmtechnik, zum Leben erwacht. Glauben sie, dass der Trend anhalten könnte?

  Keine Ahnung. Effektspektakel aus Hollywood werden immer aufwendiger - aber damit nicht zwangsläufig besser. "Der Herr der Ringe" ist sicher die große Ausnahme und ein Beispiel für einen meines Erachtens rundum gelungenen Film dieser Art.
  "Nebel von Avalon" - na ja. "Harry Potter" fand ich sterbenslangweilig und seelenlos.

  Sie haben sich schon an zahlreiche deutsche Myten literarisch herangewagt, wie Faust, die Gebrüder Grimm, die Lorelei, der Rattenfünger von Hammeln, die Nibelungen usw. "Das Haus des Daedalus" ist aber ein, zwar mit viel historischen Hintergrund, in der Gegenwart angesiedelter Thriller und auch "Die Alchimistin" ist schon nicht mehr so weit in der Vergangenheit angesiedelt. Werden sie auch wieder Romane zu bekannten, historischen Mythen schreiben, wenn ihnen einer "über den Weg läuft"?

  Sicher. Mit einem beginne ich bald, er soll Ende 2003 erscheinen. Es ist aber noch zu früh, darüber zu sprechen.

  Und zuletzt die letzte Frage, die wohl immer am Ende eines Interviews mit einem Autor fällig ist: Wovon wird ihr nächstes Buch handeln?

  Im Herbst 2002 erscheint bei Heyne als Hardcover ein umfangreicher Roman, der im Berlin der 20er Jahre spielt, inmitten der Stummfilm-Industrie. Im weitesten Sinne ist es eine Doppelgängergeschichte vor dem Hintergrund der Filmateliers und Stars.
  Das Buch unterscheidet sich recht deutlich von den meisten meiner anderen Sachen, am ehesten ist es wohl mit "Göttin der Wüste" verwandt. Es geht um den Aufstieg und Fall einer Stummfilmdiva, durchsetzt mit sehr düsteren und phantastischen Elementen.

Herzlichen Dank und viel Erfolg bei zukünftigen Projekten!

Von Alfred Ohswald

Kai Meyers Webseite

Kai Meyer
Die Fließende Königin

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Das Steinerne Licht

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Das gläserne Wort

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Die Alchimistin

Kai Meyer
Die Rückkehr des Hexenmeisters

Kai Meyer
Der Kreuzworträtselmörder

Kai Meyer
Das Haus des Daedalus

Kai Meyer
Der Rattenzauber

Kai Meyer
Das Gelübde

Kai Meyer
Der Traumvater

Kai Meyer
Die Winterprinzessin

Kai Meyer
Göttin der Wüste

Kai Meyer
Das Buch von Eden
Historischer Roman mit phantastischen Elementen

Kai Meyer
Die Wasserweber. Band 3 der "Wellenläufer-Trilogie"

Kai Meyer
Frostfeuer