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Der 1955 in Frankenberg geborene Frank
W. Haubold studierte Informatik und Biophysik in Dresden
und Berlin und lebt im sächsischen Meerane.
Neben zahlreichen Veröffentlichungen von phantastischen
und SF-Erzählungen in Anthologien und Zeitschriften
erschien 1997 mit dem Episodenroman "Am Ufer der
Nacht" sein erstes Buch. 1999 folgte zusammen mit
Eddie M. Angerhuber die Sammlung "Der Tag des silbernen
Tieres". 2001 und 2003 erschienen seine Erzählbände
"Das Tor der Träume" und "Das Geschenk
der Nacht".
Herr Haubold, Ihre literarischen Vorbilder
scheinen weitgehend Klassiker der Science Fiction und
phantastischen Literatur zu sein. Täuscht dieser
Eindruck?
Keineswegs, allerdings muß ich gestehen,
daß ich mich mit aktuell publizierter SF auch weniger
gut auskenne. Was die Vorbilder anbetrifft, wäre
natürlich zuerst Ray Bradbury zu nennen. Die "Mars-Chroniken"
und den "illustrierten Mann" habe ich als Zwölfjähriger
das erste Mal gelesen und danach noch viele, viele Male
und mir immer dabei gewünscht, einmal so schreiben
zu können wie er. Daneben gehören Clifford Simak,
Cordwainer Smith, J. G. Ballard, Jonathan Carroll aber
auch die Gebrüder Strugatzki zu meinen Favoriten.
Bisher wurden nur Kurzgeschichten und Erzählungen
von Ihnen veröffentlicht. Liegt Ihnen die "Kurzstrecke"
mehr oder ist auch einmal ein Roman geplant?
Ich bin kein besonders disziplinierter Autor.
Die Vorstellung, mich beim Schreiben vielleicht monatelang
an ein Exposé halten zu müssen, erscheint
mir deshalb wenig verlockend. Bei einer Kurzgeschichte
oder Erzählung hat man das Ziel immer relativ nah
vor Augen. Dazu kommt, daß ich extrem langsam schreibe,
was die termingerechte Abgabe umfangreicherer Arbeiten
wohl ausschließt. Eine Alternative, die ich im "Ufer
der Nacht" auch schon einmal gewählt habe, ist
der Episodenroman.
Die größeren Verlage im
deutschsprachigen Raum veröffentlichen ja zunehmend
seltener Anthologien deutschsprachiger Autoren. Für
den Bereich Science Fiction und Phantastische Literatur
gilt das sogar in noch stärkerem Ausmaß. Macht
sich diese Entwicklung bereits für Sie negativ bemerkbar?
Nachdem der Heyne-Verlag seine Anthologiereihen
eingestellt hat, ist die Situation für deutschsprachige
Phantastik-Autoren noch schwieriger geworden. Es gibt
allerdings einige kleinere engagierte Verlage, die versuchen,
diese Lücke auszufüllen. Vielleicht ist das
ein Tal, durch das wir gehen müssen, um möglicherweise
auch zu einer neuen Qualität des Geschriebenen zu
kommen und damit ein breiteres Publikum anzusprechen.
Im Gegensatz zu Science Fiction &
Fantasy mit Andreas Eschbach, Michael Marrak, Marcus Hammerschmitt,
Markus Heitz usw. konnten noch kaum moderne deutschsprachige
Autoren oder Autorinnen im Horror-Genre auf sich aufmerksam
machen. An der generellen Ablehnung der Leser kann es
ja kaum liegen, wenn man am Erfolg von Stephen King &
Co. sieht. Haben Sie eine Vermutung, woran das liegen
könnte?
Hier kommen meines Erachtens mehrere Ursachen
zusammen: Die größeren Verlage sind nach meiner
Erfahrung relativ skeptisch, was die Marktchancen unbekannter
deutscher Autoren auf dem umkämpften Horror-/Mystery-Markt
anbetrifft. Zudem ist es schwierig, die Erfolgsrezepte
der King, Koontz & Co. zu nutzen, ohne sich dem Vorwurf
des Plagiierens auszusetzen. Im Zweifelsfall wird sich
der Leser fast immer für das Original entscheiden.
Daneben existiert im Horrorbereich eine sehr
aktive semiprofessionelle Literaturszene, die den dort
aktiven Autoren die Möglichkeit bietet, nach ihrem
Gusto zu publizieren, ohne die sonst unerläßlichen
Kompromisse einzugehen.
Zum Abschluss die unvermeidliche Frage
nach Ihren literarischen Zukunftsplänen. Was dürfen
Ihre Leser in nächster Zeit von Ihnen erwarten?
Neben der Arbeit an weiteren Erzählungen
und Kurzgeschichten beschäftige ich mich seit geraumer
Zeit mit zwei Romanprojekten, einem Episodenroman im Stile
der Mars-Chroniken unter dem Arbeitstitel "Martin
Lundgrens Traum" und einem Mystery-Thriller ("Abaddon").
Beide Projekte leiden derzeit noch ein wenig an der fehlenden
Bindung der einzelnen Episoden. Ich möchte die Manuskripte
erst anzubieten, wenn ich sie für perfekt halte.
Das kann noch einige Monate - oder auch länger -
dauern.
Herzlichen Dank für das Interview!
Und weiterhin viel Erfolg!
Von Alfred
Ohswald am 6. 3. 2004
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