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Der 1950 in Wachtendonk am Niederrhein
geborene Gisbert Haefs studierte in Bonn Anglistik und
Hispanistik und legte darin auch seine Staatsexamen ab.
Während seines Studiums verdiente er sich mit Bühnenauftritten,
wo er einigermaßen makabere, selbst komponierte Chansons
zum Besten gab, etwas Geld fürs Studium. Diese Karriere
endete mit einer erfolglosen LP. Demnächst erscheint allerdings
die CD "Skurrile Gesänge" mit 19 alten Aufnahmen.
Danach konzentrierte er sich auf seine Tätigkeit
als Schriftsteller und Übersetzer (J.L. Borges, A.C. Doyle,
Ambrose Bierce, Rudyard Kipling u.A.). Als Autor wurde,
neben Hörspielen, Science Fiction u.A., vor allem als
Krimiautor (z.B. Matzbach-Krimis) und für seine historischen
Romane (Hannibal, Alexander, Raja und Troja) bekannt.
Mit "Hamilkars Garten" und "Roma" verknüpfte er die beiden
Genres erfolgreich.
Neben dem Erfolg bei seinen Lesern erhielt
er auch einige Auszeichnungen (Edgar - Wallace - Preis
des Goldmann Verlages, Kurt-Lasswitz-Preis, Rheinische
Literaturpreis).
Ihre erste Romanveröffentlichung war ein
Krimi und dem Genre blieben sie bis heute treu. Was bewog
Sie damals, mit einem Krimi ihre Schriftstellerkarriere
zu beginnen?
Ich hatte schon länger einen gewissen, fetten
Zyniker namens Baltasar Matzbach als Gegenentwurf zum
damaligen Zeitgeist und seinen Verkörperungen im Hinterkopf
gehabt, als mir Anfang 1981 ein schöner Krimiplot einfiel,
der zugleich Parodie und ernsthafte Story sein sollte.
Irgendwann machte es beinahe hörbar "Klick" im Gehirn,
und etwas sagte mir, dass Matzbach eigentlich ein gutes
Vehikel für diese Plot-Idee wäre. Das Ergebnis war "Mord
am Millionenhügel.
Der Abstecher vom Krimi zur Science Fiction
ist ja nicht unbedingt alltäglich. Wie kam es dazu?
Ich habe sowohl Krimis als auch SF immer
gern gelesen, allerdings mit bestimmten Vorlieben. Krimi,
fand ich, wurde (und wird z.T. noch heute) gerade von
deutschen Autoren zu ernst betrieben, ohne viel Witz oder
gar Esprit; und SF habe ich immer geschätzt als Fortsetzung
des Abenteuerromans mit anderen Mitteln. Wie Brecht sagte,
ist in einer erschlossenen und verwalteten Welt Kriminalität
im Prinzip das letzte mögliche Abenteuer; hier kommen
also (für mich) SF und Krimi zusammen.
Anfang der 80er war ich erstaunt über gewisse
Formen von Naivität; z.B. die der Friedensbewegung, die
Kernwaffen im Besitz demokratischer Staaten schlimmer
fand als die im Besitz eines totalitären Systems, oder
die Naivität der Feministinnen, die meinten, die Welt
würde besser, wenn sie nur weiblicher würde (als ob die
conditia humana geschlechtsabhängig wäre). Damals
habe ich über einen Thriller nachgedacht, in dem die UDSSR
ein feminisiertes, entwaffnetes Westeuropa angreift und
schluckt; dann dachte ich, es wäre interessanter, den
Konflikt zwischen offener und geschlossener (=totalitärer)
Gesellschaft als SF-Abenteuer zu inszenieren. So kam ich
auf die "Barakuda"-Romane. Später folgten dann noch ein
paar SF-Krimi-Storys mit einem Detektiv Mungo Carteret
und der SF-Thriller "Traumzeit für Agenten".
Werden Ihre Science Fiction-Romane in
nächster Zeit neu aufgelegt?
Die "Barakuda"-Serie ist zur Zeit in einem
dicken Band bei Weltbild zu kriegen, also nicht im normalen
Buchhandel, aber immerhin. Ich würde gerne noch ein paar
Mungo-Carteret-Storys schreiben, um ein Bändchen vollzumachen,
hätte nichts gegen eine Neuauflage von "Traumzeit für
Agenten" und aber noch ein paar andere Ideen in der Schublade
(darunter den ultimativen rabiaten Fantasy-Roman, den
ich vor Jahren zusammen mit Hans Kneifel ausgeheckt habe)
- aber der deutsche SF-Markt ist mehr oder minder kaputt;
außer Perry Rhodan, Star Trek und Star Wars läuft ja nichts
mehr, also wozu sich die Mühe machen?
Mit "Hannibal" schrieben Sie schließlich
einen historischen Roman, bei dem man den Rechercheaufwand
deutlich merkt. War es damals Faszination für die Person
Hannibal oder die Antike insgesamt?
Natürlich hat mich die Person Hannibals fasziniert,
aber vor allem auch die Antike in der damaligen Umbruchsituation;
das Ende der vielfältigen Kulturen, der Übergang zum römischen
Imperium. Und ich wollte über den europäischen Tellerrand
schauen - wo kam Hannibal her, wie sah es in seiner Heimat
aus, welche guten oder schlechten Gründe hatte er.
Es folgten weiter historische Romane.
Hatten die Recherchen für Hannibal ihr weiteres Interesse
geweckt?
Eigentlich hat mich Geschichte immer interessiert,
manche Perioden mehr als andere. Die intellektuell offene
Antike, vor allem der Ausbruch des Monotheismus, der schlimmsten
aller Katastrophen, zum Beispiel mehr als das christlich-fundamentalistische
Mittelalter.
Im Prinzip gilt aber auch hierfür, was ich
oben zur SF gesagt habe: Der historische Roman ist eine
Möglichkeit des Abenteuerromans mit anderen Mitteln, außerdem
natürlich einfach geschichtlich interessant.
Dürfen Ihre Leser weitere historische
Romane im Stil von Hannibal, Alexander oder Troja erwarten
oder wollen Sie eher nur mehr mit historischen Krimis
weitermachen?
Ich mache da keinen großen Unterschied,
wie schon angedeutet. Ich weiß noch nicht, was als nächstes
kommt, hoffe aber, dass es mir gelingt, niemanden zu langweilen.
In Ihren historischen Romanen erleben
Ihre Helden zahlreiche erotische Abenteuer und in Troja
gibt es einen wahren Wunderknaben an Erfindungsgeist.
Fürchten Sie nicht, dass dahinter Ihre sicher mühsam recherchierten
Beschreibungen dieser Epochen im Hintergrund verblassen?
Ich finde, das gehört alles zusammen. Jede
gute Erzählung braucht sinnliche Details, um zu funktionieren,
und die Personen, Hintergründe, Dialoge und Handlungen
müssen möglichst unauflösbar miteinander verzahnt sein.
Ohne Gerüche, Gefühle, Anblicke, Erfindungen und alles
andere bleiben ja nur der reine Sachbuchtext.
Herzlichen Dank und viel Erfolg bei zukünftigen Projekten!
Von Alfred
Ohswald am 6. Juni 2002
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