| Einleitung:
Zum zweiten Mal jährt sich am 30.Juli
2009 der Todestag des von der Jury der Internationalen
Filmfestspiele von Cannes 1997 als „besten Filmregisseur
aller Zeiten“ ausgezeichneten Ingmar Bergman. Dieser
große Filmschaffende des europäischen Films
hinterließ in seiner 57jährigen Schaffenszeit
ein Werk von über 60 Filmen, die bis heute an ihrer
Wirkung nichts eingebüßt und immer noch Einfluss
auf Größen des Filmsgeschäfts wie Woody
Allen, Ang Lee oder Lars von Trier haben. Buchkritik.at
würdigt den Träger der „Palme der Palmen“
mit einer kleinen Retroperspektive, die nebst seinem filmischen
Werk auch Literatur des Regisseurs als auch über
den Filmschaffenden und sein Werk beinhaltet.
Eine Hommage an die Suche nach Gott, die Beschreibung
menschlicher Zustände von existenzieller Verzweifelung
bis humorvolle Leichtigkeit, an die Mythologie und an
die Suche nach dem Sinn oder um es mit den Worten Bergmans
zu sagen:
„Mein ganzes Leben als Künstler
ist ein Versuch, in Kontakt zu anderen Menschen zu kommen,
also diese Einsamkeit zu verlassen.“

Biographie:
Ingmar Bergman, geboren am 14. Juli 1918 im
schwedischen Uppsala als Sohn einer streng religiösen
Familie, gilt als einer der bedeutendsten Filmemacher
des 20. Jahrhunderts. Bereits während seines Studiums
der Literatur- und Kunstgeschichte inszeniert er erste
Theaterstücke an einer Studentenbühne. Aus finanziellen
Gründen muss er jedoch die Universität verlassen
und nimmt 1940 einen Job als Drehbuchautor bei der "Svensk
Filmindustri" an. Zur gleichen Zeit bekommt er einen
Posten als Regieassistent an der Königlichen Oper
in Stockholm.

Sein Debüt als Filmregisseur gibt Bergman
1946 mit dem Drama "Die Krise". Der große
Durchbruch gelingt im allerdings erst mit der von Shakespeare
und Schnitzler inspirierten, erotisch angehauchten Komödie
"Das Lächeln einer Sommernacht", die bei
den Filmfestspielen von Cannes 1956 mit der Goldenen Palme
ausgezeichnet wird. In den kommenden Jahren und Jahrzehnten
festigt Bergman mit Arbeiten wie der düsteren Mordparabel
"Die Jungfrauenquelle" (1959) oder dem surreal
anmutenden Skandalfilm "Das Schweigen" (1963)
über zwei ungleiche Schwestern, die in einem Hotel
einem Strudel der sexuellen Begierde und des Hasses verfallen,
seinen Ruf und seine Bedeutung als Regisseur ebenso philosophisch
anspruchsvoller wie psychologisch präziser Melodramen.
Immer wieder geht es in Bergmans Werk um
Sinnsuche, Moral und die Komplexität zwischenmenschlicher
Beziehungen – so auch in dem mehrfach preisgekrönten
Mutter-Tochter-Drama "Herbstsonate" (1977/78)
oder dem autobiografisch geprägten, poetischen Familienepos
"Fanny und Alexander" (1981/82). Bergman, der
als Drehbuchautor und Regisseur insgesamt acht Mal für
den "Oscar" nominiert war und 1971 den Irving
G. Thalberg Award für seine Lebenswerk erhielt, hat
mit seinen Arbeiten zahlreiche Filmemacher beeinflusst,
darunter Jean-Luc Godard, Eric Rohmer und vor allem Woody
Allen, der den Schweden immer wieder als Vorbild und Inspirationsquelle
nennt.
Bergman selbst steht seinem Ruhm zeitlebens
skeptisch-distanziert gegenüber. So erklärt
der extrem zurückgezogen lebende, nach eigenem Bekunden
an Depressionen leidende Regisseur immer wieder seinen
Ausstieg aus dem Film- und Theatergeschäft (um sich
dann doch wieder zurückzumelden) und weigert sich
1997, nach Cannes zu reisen, um dort einen Preis für
sein Lebenswerk in Empfang zu nehmen.

Im Jahr 2000 feiert er mit einer hoch gelobten
Theaterinszenierung von Ibsens "Gespenster"
in Stockholm einen späten Triumph. Im Jahr 2003 schließlich
macht er seine Ankündigung wahr und zieht sich nach
Realisierung des TV-Familiendramas "Saraband"
auf die Ostseeinsel Farö zurück, um nur noch
zu schreiben und Filme anzuschauen. Ingmar Bergman, der
mehrfach verheiratet war und fünf Jahre mit seiner
Stammschauspielerin Liv Ullmann zusammenlebte, stirbt
am 30. Juli 2007 im Alter von 89 Jahren in seinem Haus
auf Farö..

Filmisches Werk:
Sein Werk handelt von
• Suche nach Gott
• Deindividualisierung
• Suche nach dem Sinn
• Verlust von menschlicher Nähe
• Kunst als Sprachrohr
• Sprache als Symbol von Kommunikation
• Mythologie

Filmographie:
Ingmar Bergmans Werk wurde insgesamt 58-mal
mit Preisen von nationalen bzw. internationalen Filmfestivals
ausgezeichnet.
5 Mal bei den Internationalen Filmfestspielen
von Cannes, darunter findet sich der große Preis,
der Sonderpreis der Jury, der Preis für die beste
Regie, sowie der Ökumenischen Jury für das Lebenswerk.
Als wichtigste Auszeichnungen der Festspiele
von Cannes an Ingmar Bergman gilt sicherlich die „Palme
der Palmen“ als Bester Regisseur aller Zeiten, die
bis dato nur einmal an den Schweden verliehen wurde.
1959 wurde im der Spezialpreis der Jury im
Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Venedig
verliehen, 24 Jahre darauf der „Goldene Löwe“
für sein Gesamtwerk, sowie der „Goldene Bär“
der Berlinale für seinen Film „Wilde Erdbeeren“.
1970 wurde der Filmschaffende mit dem Oscars/Irving
G. Thalberg Memorial Award der Amerikanischen Filmakademie
ausgezeichnet und bekam 1961 für „Die Jungfrauenquelle“,
1962 für „Wie in einem Spiegel“ und schlussendlich
1984 für seinen letzten Kinofilm „Fanny und
Alexander“ den Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger
Film verliehen.

Filmtabelle:
Einflüsse:
Sowohl in seiner Autobiographie als auch
in zahlreichen Interviews gestand Bergman den Einfluss
des schwedischen Dramatikers August Strindberg auf sein
Werk. Dieser Autor mit seinen Hauptwerken „Das Traumspiel“,
„Gespenstersonate“, „Fräulein Julie“
und „Nach Damaskus“ begleitete Ingmar Bergman
seit seiner ersten Lektüre in der Kindheit und waren
oft Gegenstand von Inszenierungen als Theaterregisseur,
wurden aber ebenso oft als Anleihe in seinen Filmen benützt,
wie zum Beispiel „Das Traumspiel“ in „Wilde
Erdbeeren“.
Auch Henrik Ibsen als zweiter großer
Dramatiker Skandinaviens und vor allem sein Werk „Nora
(Ein Puppenheim)“ spiegeln sich in der Darstellung
der Frauenfiguren Bergmans wieder.

Maßgeblicher filmischer Einfluss auf
den Regisseur hatte die surrealistische Bewegung sowie
das schwedische Stummfilmerbe. Bei beiden Einflüssen
ist jeweils ein Name zu nennen.
Luis Buñuel und das Motiv des Traums
als Ensemble der surrealistischen Künstlerbewegung.
In diesem Zusammenhang sei der Buñuels Film „Der
andalusische Hund“ (Un perro andaluz), der in Zusammenarbeit
mit dem spanischen Künstler Salvador Dalí
entstand, von Bedeutung.
Sowie im schwedischen Erbe der Stummfilmregisseur
Victor Sjöström, dem Bergman zum Teil seine
Karriere durch wiederholtes Eingreifen zu verdanken hat.
Dem Schöpfer von Klassikern wie „Der Fuhrmann
des Todes“ und „Das Todeskuss“, welcher
seinem eigenen Werk nie gelten ließ, schuf Bergman
mit „Wilde Erdbeeren“ ein Denkmal, indem er
sein Vorbild als Protagonist für den Film als alternder
misanthropischer Professor engagierte.
Als weitere und sicherlich wichtigste Einwirkung
ist die Arbeit am Theater als Theaterregisseur zu nennen,
die sich in Filmen wie „Das siebente Siegel“
oder „Die Zauberflöte“ zeigt.
Aber auch Menschen, wie die Lebensgefährtinnen
und Ehefrauen des Filmschaffenden zeugen von ihrer Wirkung
in seinen Filmen wie zum Beispiel „Zeit mit Monika“,
„Persona“ oder „Das Schweigen“.
Generell ist von einem extremen biographischen Einfluss
zu sprechen, der auch die Kindheit und die Familie beinhaltet
und das Vater und Mutterbild im kinematographischen Werk
prägte.

Als ein weiter wichtiger Einfluss sei die
Musik Bartoks, Chopins und Bachs sowie Mozarts genannt,
die sich in fast all seinen Filmen wiederfindet.
Am 14. Juli diesen Jahres wäre der vor
2 Jahren am 30. Juli verstorbene Ingmar Bergman 91 Jahre
geworden. Die letzten 3 Jahre nach dem Tod seiner Ehefrau
Ingrid Bergman, geboren von Rosen, verbrachte der Film-
& Theaterregisseur, Drehbuchautor sowie Schriftsteller
auf der Insel Fårö in seinem dort errichteten
Haus.
Von Sascha Todtner am 30. 7. 2009
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