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Thema der 1963 in Jena geborenen Autorin
Antje Babendererde sind die Indianer Nordamerikas, deren
Leben sie auf ihren Reisen durch die USA und Kanada eingehend
studierte. Das Alltagsleben der verschiedenen Stämme in
ihren Reservaten, ihre sozialen und gesellschaftlichen
Probleme, sowie die Konfrontation zwischen Tradition und
westlicher Profitgier macht Antje Babendererde zum Thema
ihrer Romane.
Nach Abitur und einer Ausbildung zur Töpferin
arbeitete sie als Arbeitstherapeutin mit Kindern in der
Psychiatrie. Seit 1987 lebt sie mit ihrem Mann und ihren
beiden Kindern in Liebengrün (Thüringen) und arbeitet
seit 1996 als freiberufliche Autorin.
Die auf ihren Reisen in die verschiedenen
Indianerreservate gewonnenen Erfahrungen nutzt Antje Babendererde
für ihre Romane über das Leben der Indianer in der modernen
Gesellschaft. Nach "Der Pfahlschnitzer" erschien kürzlich
ihr zweiter Roman "Der Walfänger". Beide Romane spielen
bei den Makah-Indianern, die als Ozeanfischer am Pazifik
leben.
Haben Sie schon vor Ihren Reisen Prosa
geschrieben oder waren Ihre Erfahrungen dabei der Anstoß
zum Schreiben?
Ich habe vier Jahre vor meiner ersten USA
Reise angefangen Romane über Indianerthemen zu schreiben.
Damals trieb mich die Phantasie an den Schreibtisch. Heute
sind es meine Erfahrungen, meine Erlebnisse und Begegnungen
in den Reservaten.
Welche Bücher haben Sie besonders beeinflusst?
Und welche würden Sie heute zum Thema Indianer empfehlen?
Liselotte Welskopf-Henrichs fünfbändiges
Werk "Das Blut des Adlers" hat mein Denken beeinflusst
und ich würde die Bücher auch heute noch empfehlen. Wichtig
finde ich heute unter anderem Romane von Sherman Alexie,
Tony Hillerman und Louise Erdrich.
Besonders zu empfehlen: "Die letzten heiligen
Dinge" von Kent Nerburn Ihre Romane behandeln das Leben
von Indianern in der heutigen Gesellschaft.
Außer einigen ziemlich erfolgreichen
indianischen Autoren gibt es zu dem Thema großteils historische
Romane. Haben Sie auch schon mit dem Gedanken gespielt,
etwas in dieser Richtung zu schreiben?
Nein. Natürlich versuche ich immer, die
Geschichte, die Vergangenheit nicht außer Acht zu lassen,
aber die gegenwärtigen Probleme der Indianer interessieren
mich viel mehr. Z.B., Warum leben sie so wie sie heute
leben? Was bewegt sie, was ärgert sie, worüber lachen
sie? Wie können sie sich aus ihrer Opferrolle befreien?
Seit den 60er-Jahren hat sich das Bild
der Amerikaner über die Indianer stark gewandelt. Waren
sie früher die meist bösen Widerparts diverser Helden
in den Western, so herrscht heute das ebenso einseitige
Bild des edlen Wilden (Der mit dem Wolf tanzt usw.) vor.
Dabei scheinen die Amerikaner die heutigen Indianer gerne
zu ignorieren. Wie haben Sie das Verhältnis der Amerikaner
zu den Indianern erlebt?
Das Bild des edlen Wilden ist bei uns Europäern
sehr viel stärker ausgeprägt als bei den Angloamerikanern.
Die Angloamerikaner versuchen tatsächlich ihre Ureinwohner
zu ignorieren. Und sie werden weiterhin diskriminiert,
kriminalisiert, ausgeschlossen und in jeglicher Hinsicht
behindert.
Einige Dinge haben sich allerdings auch zum
Positiven geändert. Die neue Generation Amerikaner respektiert
die Indianer mehr.
Die Kultur und Mythologie der Indianer
steht bei vielen Esoterikern hoch im Kurs. Wie gehen die
Indianer mit diesen Schwärmern um?
Sie haben sehr schnell gelernt sie für sich
auszunutzen, was nicht großartig verwunderlich ist. Schwitzhüttenzeremonien
können bereits mit der Visacard bezahlt werden.
Die Traditionalisten unter den Indianern ärgern
sich allerdings über solche Leute, weil sie die wirkliche
Verständigung zwischen Weißen und Indianern noch erschweren.
Viele Indianer versuchen ihre steinzeitliche
Stammeskultur in der heutigen Zeit zu bewahren. Wie kommen
sie mit den daraus entstehenden Widersprüchen zurecht,
die Sie auch in Ihren Romanen beschreiben?
Lange Zeit kamen sie mit diesen Widersprüchen
überhaupt nicht zurecht, inzwischen gelingt ihnen das
ganz gut. Sie gehen neue Wege, was nicht heißt, dass sie
sich von den Traditionen abwenden. Die Hoffnung, beides
zusammenzubringen, bestimmt ihr derzeitiges Leben.
Ich glaube, dass es ein sehr langer Weg ist,
aber sie gehen ihn bereits.
Haben die Indianer heute wirksame politische
Möglichkeiten?
Ja. Einige Stämme sind durch den Bau von
Casinos sehr reich geworden und können sich gute Anwälte
leisten. Es gibt auch immer mehr Indianer, die Anwälte
werden, um ihren eigenen Stamm rechtlich vertreten zu
können.
Es wird besser, trotzdem liegt noch vieles
im Argen.
Zum Abschluss natürlich die Frage nach
Ihrem nächsten Buch. Können Sie uns schon etwas dazu sagen?
Mein nächstes Buch wird im Frühjahr 2003
herauskommen. Es ist diesmal ein Jugendbuch und erzählt
von Orcas und Nordwestküstenindianern.
Mein nächster Roman wird im Pine Ridge Reservat
in South Dakota spielen, wo ich mich diesen Sommer aufgehalten
habe. Dabei geht es um das Projekt einer deutschen Unterstützergruppe
im Reservat und die Frage: Haben solche Projekte Zukunft,
wenn die Indianer irgendwann damit allein gelassen werden?
Herzlichen Dank und viel Erfolg bei zukünftigen Projekten!
Von Alfred
Ohswald am 28. 8. 2002
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