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Brigitt Albrecht, geboren in Solothurn
(Schweiz), studierte Deutsch, Englisch und Französisch
in Bern, arbeitete als Sprachlehrerin in der Schweiz und
in England. Zurück in der Schweiz führte die Faszination
Buch zur Arbeit in einer Bibliothek, dann in einen Verlag.
Sie lebt seit 1996 in Wien, wo sie bis dieses Frühjahr
für eine pädagogische Fachbuchhandlung tätig war. Sie
schreibt Krimis und Artikel für die "Kriminalpolizei",
Zeitschrift der Vereinigung Österreichischer Kriminalisten,
engagiert sich im Projekt "Polizei und AfrikanerInnen"
und jobbt gelegentlich für die "Unterwelt" (Fackeltouren
durch den Wienflusskanal, www.unterwelt.at).
Nach "Wiener Blut" ist "Schwarz Weiß Schwarz"
der 2. Krimi der Jeschek und Jones-Serie.
Fr. Albrecht, führte Ihr Weg zum Schreiben
über das Lesen, wie Ihr Lebenslauf vermuten lässt?
Genau. Ich habe schon als Kind Bücher regelrecht
verschlungen. Meine Familie hat dies unterstützt, mich
aber auch ermuntert, eigene Erfahrungen zu machen und
nicht nur in Büchern zu versinken und daraus zu zitieren.
Mit neun Jahren hatte ich in einem Schulaufsatz
beschrieben, wie ich auf dem Kettenkarussell fahre. Die
Fahrt hätte ich mir in real nicht zugetraut, mir wäre
übel geworden. Der Lehrer lobte meine Arbeit. Ich habe
mich geschämt und es der Mutter gebeichtet. Sie hat mich
getröstet, mir erklärt, was dichterische Freiheit bedeutet.
Daraufhin habe ich mich auf das Kettenkarussell getraut
- und die Fahrt genossen.
Meine ersten "ungesteuerten" Schreibereien
waren Tagebücher, mit elf habe ich meine Biographie angefangen,
über eine halbe Seite bin ich nicht hinausgekommen. Dann
hat mit das Genre "Essay" fasziniert, später habe ich
mich an Jugendromanen versucht.
Haben Sie erst in Wien zu schreiben begonnen,
oder waren die Jeschek & Jones-Krimis nur Ihre ersten
Veröffentlichungen?
In der Schweiz habe ich Kolumnen für die
Berner Tageszeitung "Der Bund" geschrieben - den "Berner
Alltag." "Jeschek und Jones - Wiener Blut" ist meine erste
büchliche Veröffentlichung.
Erst wollte ich eine Art längeren Brief schreiben,
Freunden über das Leben in Österreich berichten. Zum Beispiel
über die Briefkästen, die anders aufgehen, als ich es
bisher gekannt hatte. Nach dem Einbruch, bei dem u.a.
mein (damals) brandneuer Laptop gestohlen wurde, den ich
von der Polizei zurückerhalten habe (mit Daten vom Dieb
drauf), entstand ein Krimi.
Hilft das Ohr eines nicht aus Wien stammenden
Zuhörers beim besonderen Gespür für diesen Dialekt, seine
Fallstricke und Absurditäten?
Das kann ich nicht beurteilen. Die Ohren
von Zugereisten sind vermutlich so individuell wie jede/r
Einzelne.
Ich hatte schon immer ein Faible für sprachliche
Unterschiede, Versprecher und Sprachhumor. Als Kind habe
ich mich geärgert, als ein Lehrer in einem Aufsatz das
Wort "dunkelweiß" bemängelt hat, er hat dazu geschrieben,
das gäbe es nicht.
Karl Valentin war eine Entdeckung, er darf
von einer runden, dunkelschwarzen Schallplatte schreiben!
Später lernte ich Nestroy kennen und lieben.
Den Wiener Dialekt genieße ich.
Die Bemerkung der Wirtin in meinem Stammbeisl,
sie bringe mir gleich einen "Dackel", machte mich ratlos.
Einen "Dackel" zum Bier? Prost Mahlzeit!
Zu Buchhandelszeiten bin ich in etliche Fallen
getappt. Einem Kunden, der ein Buch bestellte und eine
"Angabe" machen wollte, habe ich gesagt, ich hätte ja
schon alles notiert. In einem anderen Fall war ich überfragt,
als eine Kundin "Ansagetexte" wollte. Wollte sie eine
Veranstaltung moderieren? Was wollte sie "ansagen"? Ein
Kollege hat mir im Vorbeigang "Diktate" zugeraunt, damit
konnte ich etwas anfangen.
Hellhörig werde ich bei Alltagsfloskeln. In
der Buchhandlung wurde meine Frage "Möchten Sie ein Sackerl"
oft beantwortet mit "Ja, wenn Sie eines haben." Ich musste
mir immer die Reaktion "Nein, eigentlich nicht, ich habe
bloß so gefragt" verkneifen.
Zu meinen Freunden in Wien gehört ein Engländer,
der mir zu Marthas Sprachpatzern verhilft. Einen sehr
schönen habe ich noch nicht "verbraten": er hat mir mal
erzählt, er hätte einen Bekannten getroffen, der vor zwei
Monaten erschossen worden sei, es gehe ihm schon wieder
viel besser. Vorsilben sind außerordentlich tückisch!
In "Schwarz Weiß Schwarz" engagieren
Sie sich recht deutlich für die Probleme Schwarzer in
Wien. Spielen da persönliche Erfahrungen auch eine Rolle?
Ja. Ich bin mit mehreren hier ansäßigen
Schwarzen befreundet. Sie haben mir von ihren Erfahrungen
berichtet. Ein junger Familienvater wird in jeder U-Bahn-Station
auf Drogen angesprochen, sogar wenn er mit dem Kinderwagen
unterwegs ist.
Im Zuge der Recherchen habe ich gemerkt, dass
viele Weiße, mit denen ich über Schwarze gesprochen oder
vom Buch erzählt habe, sofort das Gesicht verzogen haben
und mit dem Klischee "Dealer" kamen. Erst wenn ich erwähnte,
dass es mir um die Unbescholtenen geht, und das ist der
überwiegende Teil!, setzte das Nachdenken ein.
Dass es schwarze Dealer gibt, verleugne ich
nicht.
Bei der Polizei habe ich Beamte kennen gelernt,
die sich sehr engagiert für ein faires und sensibles Miteinander
einsetzen.
Mir geht es darum, dass nicht jeder Schwarze,
aber auch nicht jeder Polizist vorverurteilt wird.
Hatten Sie schon immer eine Vorliebe
für Krimis oder kam die Entscheidung für dieses Genre
eher zufällig zustande?
Ja zur Vorliebe für Krimis. Angefangen hat
es mit Enid Blyton, dann kam Agatha Christie und und und.
Ich lese gerne englische AutorInnen, zur Zeit hauptsächlich
Werke von österreichischen KrimiautorInnen.
Wird Ihr nächstes Buch voraussichtlich
wieder ein Jeschek & Jones-Krimi oder werden Sie dazwischen
auch vielleicht einmal "Fremdgehen"?
Der dritte Krimi ist in Arbeit, für den vierten
habe ich eine, zwei, drei Ideen.
"Fremd" gehe ich bei den Artikeln für die
Zeitschrift "Kriminalpolizei". Da erfinde ich nichts dazu,
erlaube mir kein Quentchen dichterische Freiheit! Die
Arbeit ist eine tolle Ergänzung und hilft bei den Recherchen
zu den weiteren "Jeschek und Jones"-Büchern.
Früher habe ich mit einem Freund absurde "Hin
und Her"-Geschichten geschrieben. Das würde ich gerne
wieder aufnehmen.
Herzlichen Dank und viel Erfolg für Ihre nächsten
Krimis!
Von Alfred
Ohswald am 2. 6. 2004
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