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Interview mit Hans-Peter Vertacnik
Hans-Peter Vertacnik wurde vor 50 Jahren
in Leoben geboren, lebt aber seit etwa 20 Jahren in Oberösterreich.
Er ist Oberstleutnant bei der österreichischen Polizei
und als Bezirkskommandant und Kommunikations- und Medientrainer
tätig.
Er veröffentlichte bisher 2 Lyrik-Bände
und gewann den -Stern-Preis 1994. Mit "Abfangjäger"
legt er seinen ersten Roman vor.
Der Sprung von Lyrik zum Politthriller
liegt ja nicht unbedingt auf der Hand. Begannen Sie mit
Lyrik oder Prosa (Kurzgeschichten ect.) zu Schreiben?
Anfang der Neunzigerjahre verfasste ich
Kurzgeschichten für Literaturzeitschriften. Dann
las ich ziemlich viel Lyrik von Bachmann, Fried, Biermann
und Kunze und fand Gefallen daran, Gedanken "auf
den Punkt" zu bringen. Also schrieb ich neben meiner
Kurzgeschichten auch noch Lyrik, konnte dafür einen
Verlag finden, zwei Bücher veröffentlichen und
einen Preis abräumen. Plötzlich nervte mich
jemand mit der Idee, doch einmal einen Kriminalroman zu
schreiben. Ich lese eigentlich selten Krimis, fand es
aber irgendwann dann doch ganz reizvoll, einen eigenständigen,
kritischen und österreichischen Kriminalroman mit
einem gewissen literarischen Anspruch zu machen.
Wie entstand die Idee zu "Abfangjäger"?
Mein Beruf lehrt mich täglich, dass
der Staat mit seinen Bürgern nicht sonderlich fair
umgeht. Übrigens auch nicht mit jenen Menschen, die
in der Organisation "Polizei" ihr Brot verdienen.
Die Zitate Niccolo Machiavellis in meinem Roman stehen
für die Gewissenlosigkeit der Staatsgewalt und die
Menschenverachtung der Politiker. Darüber wollte
ich einen Roman schreiben. Dann verfolgte mich in den
Zeitungen der "Abfangjägerskandal" und
der mediale Verdacht, dass bei der Beschaffung dieser
Jagdflugzeuge einige Leute viel Geld bekommen haben könnten.
Da lag es dann auf der Hand, als Auslöser für
die kriminellen Handlungen in meinem Buch eine "Jagdflugzeugbeschaffung"
heranzuziehen. Im Grunde hätte es auch sonst irgendein
Beschaffungsvorgang sein können. Viel mehr, als dieses
vordergründige Thema beschäftigte mich ja das
"hidden problem" des Textes: Die Suche nach
Wahrheit durch einen Polizisten, der es privat mit der
Wahrheit auch nicht sonderlich genau nimmt.
Haben Sie die aktuellen Ereignisse, die
der Untersuchungsausschuss erahnen lässt, bei der
Überarbeitung noch teilweise berücksichtigen
können?
Nein, aber mein Schluss war prophetisch.
Der Ausgang des Untersuchungsausschusses war aber auch
nicht sonderlich schwer zu erahnen.
Einige Geschehnisse und Personen in "Abfangjäger"
erinnern viel mehr an den Noricum Skandal, wo es ja mit
den nicht unumstrittenen Todesfällen von Kanonen-Konstrukteur
Gerald Bull , Botschafter Amry, VOEST-Vorstandsdirektor
Heribert Apfalter und Ex-Verteidigungsminister Karl Lütgendorf
ein ähnliches Blutbad gab, wie in Ihrem Roman. Zufall
oder hatte Sie dieser Skandal bei Ihrem Roman stark beeinflusst?
Ich bin 30 Jahre lang Polizist und habe mir
damals so meine Gedanken gemacht. Die von Ihnen angesprochenen
Vorfälle waren ja allesamt überaus seltsam und
die Herren kamen recht rasch unter die Erde. Gerüchte
haben sich bis heute gehalten und da fand das eine oder
andere davon offenbar auch Eingang in meinen Text. Aber
zum "Blutbad", das Sie ansprechen: Kriminalfälle,
in die einflussreiche Persönlichkeiten verstrickt
sind, muss man als sehr komplexe Geschichten sehen. Da
kommen mehr Menschen ums Leben, als bei einem simplen
Raubüberfall. Es geht ja auch um mehr. Um viel mehr.
Herzlichen Dank für das Interview! Und
weiterhin viel Erfolg!
Von Alfred
Ohswald am 26. Februar 2008
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